Tourist auf Mauer
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Wie Couchsurfer günstig die Welt bereisen

Couchsurfing liegt bei weltoffenen – vor allem jüngeren – Menschen voll im Trend. Was 2004 als Community-Projekt im Internet startete, ist längst zu einer Art moderner interkultureller Reise-Bewegung geworden. Wir haben Couchsurfer Jake Mason einen Tag in Heidelberg begleitet und uns mit zwei Hosts, wie die Gastgeber heißen, getroffen.
15:40 Uhr an einem grauen Dezembertag. Endlich. Geschafft! Mit seinem Rucksack auf dem Rücken erreicht Jake Mason die Heidelberger Innenstadt. Bis zum Treffen mit Stefanie Balzer, seinem Couchsurfing-Host, hat Jake noch rund anderthalb Stunden Zeit. Zeit, die der kernige US-Amerikaner nutzt, um am Neckarufer ein erstes Selfie von seinem Couchsurfing-Trip zu machen und gleich per Instagram und Snapchat mit seinen Freunden zu teilen.
Über die Internet-Plattform www.couchsurfing.com suchte Jake vor ein paar Tagen eine kostenlose Bleibe für eine Nacht in Heidelberg. Bei dem Online-Dienst sind Hunderttausende, vor allem junge Menschen, weltweit mit einem Profil angemeldet. So finden Besucher wie Jake hier einen möglichen Gastgeber. Als Reisender kann er dabei seine Suche entweder in eine öffentliche Liste einstellen oder sympathische Gastgeber direkt anschreiben. Bei seiner Suche ist Jake beim Profil von Stefanie Balzer hängen geblieben. Die 30-Jährige hat ein paar Fotos von sich veröffentlicht und im Profil-Text klar skizziert, was mögliche Besucher über sie wissen sollten. Ihre Bewertungen, die bisherige Gäste über sie veröffentlicht haben, klingen alle sehr positiv. Nach ein paar hin und her geschickten Messages, steht fest: Jake schläft diesen trüben Dezembertag bei Steffi auf der Couch!
Seit 2014 ist Steffi Gastgeberin, also Host
17:10 Uhr: Jake erhält eine Nachricht von Steffi. Sie habe jetzt Feierabend und sei auf dem Weg zum vereinbarten Treffpunkt in der Altstadt. Wenig später ist es soweit: Die beiden eigentlich Wildfremden stehen sich erstmals direkt gegenüber. So sympathisch wie der Kontakt per Mail, so herzlich auch die Begrüßung. „Ich kenn da ein ganz nettes Café um die Ecke“, schlägt Steffi vor. Beide wollen sich erst mal aufwärmen. Wenige Minuten später sitzen die beiden in dem Café, schlürfen heiße Trinkschokolade und quatschen miteinander – so, als ob man sich schon lange kennen würde. Jake erzählt, wie er in Seattle am Pazifik aufgewachsen ist, dann voller Abenteuerlust nach der Schule und ein paar Zwischenstationen für zwei Monate in Bangkok in einem Seafood-Restaurant gearbeitet hat und schließlich vor rund zwei Jahren in Osnabrück – unter anderem wegen der Liebe – stecken geblieben ist.
Steffi verfolgt aufmerksam die spannende Geschichte von Jake, genießt das kurzweilige Gespräch mit dem US-Weltenbummler. Jake will wissen, wie sie zum Couchsurfing gekommen ist. „Ich bin seit 2014 auf der Couchsurfing-Plattform angemeldet und wollte schon immer gerne auch Host sein. Doch das klappt erst jetzt, wo ich in Heidelberg einen Job und auch in meiner eigenen Wohnung den Platz und die Couch habe, um Gäste aufnehmen zu können“, verrät die sympathische 30-Jährige, die ansonsten im Controlling eines internationalen Konzerns arbeitet.
Allein im letzten halben Jahr hat Steffi Balzer über zehn vorher wildfremde Gäste bei sich über Nacht zu Besuch gehabt. „Natürlich gehört dazu, dass man ein offener Mensch ist, der sich auch auf andere Kulturen und Menschen mal einlassen kann“, betont sie. Genau das macht für sie den Reiz und besonderen Charme aus: Immer wieder trifft sie so faszinierende Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen nach Heidelberg kommen. „Das sind Leute, die beispielsweise zum Studium kommen und für ein, zwei Tage eine Bleibe suchen, um auf Wohnungssuche zu gehen. Ich hatte aber genauso eine Taiwanesin zu Besuch, die mit kleinem Budget durch Deutschland reiste“, berichtet Steffi über ihre eigenen Erfahrungen.
Gemeinsames Kochen als Dankeschön
Gerne revanchieren sich die Couchsurfer bei Steffi für die Gastfreundschaft mit einer Kleinigkeit. Auch Jake. Er schlägt vor, heute Abend für Steffi zu kochen. Die nimmt die Einladung gerne an. Kurz stimmen sich die beiden ab, was die Heidelbergerin denn so grundsätzlich gerne mag und was für Gewürze sie in der Wohnung hat. Dann verschwindet Jake kurz zum Supermarkt um die Ecke. Gemeinsam packen die beiden die Einkäufe aus und fangen an, Gemüse zu schneiden. Während Steffi den Salat zubereitet, löscht Jake die angeschwitzten Zwiebeln und Paprikastreifen mit Kokosmilch ab, bevor er anschließend Hähnchenfilets in der Soße gart und diese mit ein paar raffinierten Gewürzen und frischen Chilli-Fäden verfeinert. Steffi ist begeistert. „Wow! Das schmeckt echt ausgezeichnet“, lobt sie ihren Gast. Jake freut sich und fühlt sich überhaupt pudelwohl bei der Heidelbergerin. Bis spät in die Nacht quatschen und lachen die beiden noch, bevor Jake seine Sachen auspackt und es sich auf der Couch, die schon viele internationale Gäste gesehen hat, gemütlich macht. Couchsurfing – das ist wie eine kleine WG auf Zeit oder eben eine kostenlose Alternative zum Hostel oder Hotel mit Anschluss an die Locals!

Fotos: Christa Henke
13.01.2017


Mann und Frau unterwegs in der Stadt

Stefanie Balzer trifft Jake nach der Arbeit erstmals in der Heidelberger Altstadt.

Mann und Frau unterwegs in der Stadt

Stefanie Balzer trifft Jake nach der Arbeit erstmals in der Heidelberger Altstadt.

Mann und Frau beim Kochen

Jake liebt die asiatische Küche. Steffi guckt ihrem Gast gerne beim Kochen zu und schaut sich ein paar Kniffe ab.

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Jake liebt die asiatische Küche. Steffi guckt ihrem Gast gerne beim Kochen zu und schaut sich ein paar Kniffe ab.

Mann und Frau beim Salat zubereiten

Kochen, quatschen, lachen: ein typischer Abend für Stefanie Balzer, wenn sie Couchsurfer wie Jake zu Besuch hat.

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Kochen, quatschen, lachen: ein typischer Abend für Stefanie Balzer, wenn sie Couchsurfer wie Jake zu Besuch hat.

Mann mit Rucksack auf Couch

Glücklich und zufrieden: Jake Mason auf „seiner“ Couch für die Nacht.

Mann mit Rucksack auf Couch

Glücklich und zufrieden: Jake Mason auf „seiner“ Couch für die Nacht.

Autor:
Thomas Deneke

Kontakt in die Redaktion:
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