• Frau mit Krawatte in der Hand

    Erster Eindruck schlägt Kompetenz

    Stilexpertin Elisabeth Motsch über Etikette und
    Kleidungsstil im Job

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Wie Kleidung den ersten Eindruck beeinflusst - Interview mit Elisabeth Motsch

Wir haben mit der Stilexpertin Elisabeth Motsch gesprochen, wie es gelingt, einen guten ersten Eindruck hinzulegen. Kleidung spielt dabei eine große Rolle. 
Wie schnell beurteilen wir einander und auf was schauen wir als erstes? 
In Bruchteilen von Sekunden wird beim ersten Kontakt der erste Eindruck gecheckt und das erste bleibende Urteil ist gefällt. Freund oder Feind? Kompetent oder inkompetent? Glaubwürdig oder windig? Sympathisch oder unsympathisch? Kleidung spielt dabei eine sehr große Rolle, aber nicht die einzige, denn auch Stimme und Körpersprache spielen mit. Kommt jemand auf uns zu, werden wir sofort die Kleidung wahrnehmen und beurteilen. Kommt die Person dann näher, wird vermehrt auf den Gesichtsausdruck geachtet. Ist die Kleidung super, der Gesichtsausdruck aber unfreundlich, da hilft das beste Outfit nichts mehr. Die Person wird sofort als unfreundlich eingestuft. Erst dann wird auf Details in der Kleidung geachtet. Sind die Ärmel zu lang, der Rock zu eng oder zu kurz, ist die Krawatte auf Halbmast? Das alles wird dann im Detail gescannt. Ob bewusst oder unbewusst, wir scannen immer.
Der erste Eindruck ist also entscheidend für den weiteren Verlauf des Gespräches und die Beziehung zwischen den Gesprächspartnern?
Ja, Menschen können gar nicht anders als zu schubladisieren. Man gleicht sofort mit den eigenen Vorstellungen ab. Es fließen Erfahrungen, Werte und Vorurteile in die Bewertung ein und vervollständigen das Bild positiv oder negativ. Die Zuneigung und Abneigung für sein Gegenüber kann viele Gründe haben und muss nicht immer mit der Person direkt zu tun haben. Ich nenne Ihnen als Beispiel: "Menschen mit einem bestimmten Kleiderstil gelten als…". Aber ein bestimmter Kleiderstil kann auch Neid erwecken, was häufiger bei Frauen vorkommt. Und bei manchen sträuben sich bereits beim ersten Anblick einer Person alle Haare, „Die sieht ja aus wie die Lehrerin, die ich nicht mochte“ und schon ist man unten durch und kann gar nichts dafür. Das alles beeinflusst natürlich den weiteren Gesprächsverlauf. Wer nicht sofort überzeugen kann, hat die schlechteren Karten, beim Gegenüber sinkt die Bereitschaft zuzuhören und sich auf den anderen einzulassen.

Stefanie Rösch

Über die Autorin:

Stefanie Rösch arbeitet als Pressereferentin in der Unternehmenskommunikation der SV. Um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen, bleibt häufig leider nicht viel Zeit. Für wichtige Treffen lohnt sich im Vorfeld eine gute Vorbereitung, damit auf den ersten Blick auch ein zweiter folgt.

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Zwei Frauen im Gespräch

Innerhalb von Sekunden analysiert unser Unterbewusstsein unser Gegenüber: Mimik, Körperhaltung und natürlich Kleidung.

Zwei Frauen im Gespräch

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Warum ist die richtige Kleidung denn so entscheidend?
Weil Kleidung auch ein Gefühl vermittelt. In Businesskleidung fühlen wir uns erfolgreicher, in Fitnesskleidung fitter und in Jogginghosen kuscheliger und heimeliger. Im Berufsleben sollte man nicht das Gefühl haben, man ist "out of office". Der Arbeitsplatz sollte nicht mit der gemütlichen Couch verwechselt werden. Außerdem zeigt es Respektlosigkeit und fehlende Wertschätzung dem Arbeitgeber gegenüber. In Unternehmen herrschen in der Regel geschriebene oder ungeschriebene Dresscode-Regeln. Und die gilt es zu beherzigen. Sonst bitte mit dem Arbeitgeber Rücksprache halten, ob dieser Modetrend möglich ist, damit man nicht ins Fettnäpfchen tritt. Natürlich kann ich rebellieren und sagen, das ist meine Privatsache. Das ist ein Trugschluss, da es so leider nicht ist. In der Freizeit kann jeder machen was er will.
Aber eigentlich könnte man im Business doch meinen, es geht mehr um Inhalte und Fakten und weniger um mein Outfit? Ist es ratsam, das so locker zu sehen?
Nun, wenn da leider der Scan des Anderen nicht wäre, der abwägt, vergleicht und schubladisiert. Aber dann wäre es ein Zusammentreffen ohne Emotionen wie von Computer zu Computer. Aber so ist es nicht. Und das ist ja auch das Schöne bei einer Begegnung, dass wir mit der Kleidung über uns plaudern und viel von uns preisgeben können. Der erste Eindruck schlägt die Kompetenz. Das ist Fakt. Aber ohne Kompetenz, ohne Inhalte hilft das beste Outfit nichts. Auch wenn manche meinen, die Verpackung ist nicht wichtig, es zählen nur die inneren Werte. Doch welche anderen Anhaltspunkte bleiben beim ersten Gegenübertreten denn sonst? So wichtig die inneren Werte auch sind, so klar ist es auch, dass man diese auf den ersten Blick nicht sehen kann.

Persönlichkeit als Marke – Kleidung als Statement

In einer Serie beschäftigen wir uns mit dem Thema Kleidungsstil und Etikette. Im ersten Teil dreht sich alles um den ersten Eindruck und wie Kleidung diesen beeinflussen kann. Im zweiten Teil geben wir Tipps für das Bewerbungsgespräch und wie es gelingt, im Nachgang, den ersten Eindruck zu bestätigen. Der dritte Teil (erscheint im September) beschäftigt sich mit der Psychologie von Farben.  

Stilexpertin Elisabeth Motsch berät seit vielen Jahren große Firmen, aber auch Privatleute in Sachen Etikette und Kleidungsstil. Sie ist mehrfache Buchautorin und gefragte Gesprächspartnerin im Österreichischen Fernsehen. Auch für die SV ist Elisabeth Motsch seit vielen Jahren ein beliebter Coach. Sie kommt aus Österreich und lebt in der Nähe von Salzburg.

Zwei Frauen im Beratungsgespräch

Mit der Wahl der Garderobe drücken wir unsere geschäftliche und gesellschaftliche Position aus. Aber nur, wenn das Aussehen mit der Persönlichkeit und den Image-Botschaften zusammenpasst, gelingt es, Mitmenschen von uns zu überzeugen.

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Das mit dem ersten Eindruck ist ja eine komplizierte Sache! Ticken da Männer anders als Frauen?
Ja, sie ticken meines Erachtens anders. Männer sind weniger kritisch als Frauen. Fragt man einen Mann nach einer besuchten Hochzeit, wie das Brautkleid ausgesehen hat, dann sagt ein Mann: Weiß. Eine Frau kann es bis ins Detail beschreiben. Also urteilen Männer anders als Frauen. Jedoch ist ihnen Ungepflegtheit und Respektlosigkeit dem Anlass gegenüber genauso zuwider.
Gibt es Unterschiede im beruflichen und im privaten Umfeld?
Die gibt es auch! Privat sind wir viel entspannter mit dem ersten Eindruck. Was nicht heißt, dass alles erlaubt ist und alles gefällt. Nur gehen wir entspannter damit um. Es hat ja keine Auswirkung auf eine berufliche Entscheidung. Wir wissen, dass auch beim ersten Date oder bei einer privaten Einladung mit Dresscode die Wirkung der Kleidung wichtig ist. Beruflich sind die meisten Menschen viel kritischer. Geht es doch darum, Vertrauen in die geschäftliche Beziehung zu haben. Das gelingt über die Beziehung von Mensch zu Mensch.
Kann ich es denn schaffen, einen verkorksten ersten Eindruck wieder gerade zu bügeln?
Es ist viel Kraft erforderlich, den Anderen im Nachhinein doch noch von sich zu überzeugen. Und um die positiven Eigenschaften eines Menschen auf den zweiten Blick doch noch erkennen zu können, fehlt es leider oft an Gelegenheit. Bekomme ich diese zweite Chance aber, dann kann ich ihn ausbügeln, wenn ich dafür ein sehr sympathisches Verhalten an den Tag lege und nicht bemüht nett bin. Sonst riecht der Andere den Braten sofort und schaltet noch mehr ab. Aber es bleibt schwierig. Denn das Urteil ist gefällt und der Andere sucht ständig nach Bestätigung seines negativen Eindrucks. Kommt es zu einem Problem, ist man in der Regel nicht sehr entgegenkommend, weil man es ja schon beim ersten Kontakt gesehen hat, dass da was nicht passt. War hingegen der erste Kontakt sehr positiv, geht man viel positiver mit der Situation um.
Frau mit Buch in der Hand

Stilexpertin Elisabeth Motsch ist Spezialistin für den Erfolgsfaktor Kleidung und Umgangsformen. Sie arbeitet als Trainerin für nationale und internationale Unternehmen und begleitet Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft auf ihrem Weg nach oben.

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Stilexpertin Elisabeth Motsch ist Spezialistin für den Erfolgsfaktor Kleidung und Umgangsformen. Sie arbeitet als Trainerin für nationale und internationale Unternehmen und begleitet Führungskräfte aus Politik und Wirtschaft auf ihrem Weg nach oben.

Zum Schluss noch eine Frage, auf der Straße habe ich das Gefühl, dass die Jogginghose wieder in ist. Die 80er liegen in der Luft! Wie stehen Sie zu dem Kleidungsstück?
Ja, die Jogginghose hat den Weg zurück aus den 80ern gefunden. Im Sommer noch mehr als im Winter. Ein bequemes Teil, das sicher bei „manchen“ chic aussieht. Aber, in kaum einem Unternehmen tragbar noch erwünscht! Auch nicht im Backoffice. Davon ausgenommen sind Unternehmen, in denen Trends und Style erlaubt oder sogar erwünscht sind wie in der Modebranche oder in Kreativagenturen. Besonders vergangenen Sommer haben mir einige Führungskräfte ihr Leid geklagt, dass das gar nicht geht. Eine Jogginghose, möge sie noch so im Trend sein, muss zum Image eines Unternehmens passen. Ich selber habe eine für zuhause, abends wenn es gemütlich sein soll. Auf keinen Fall trage ich sie tagsüber oder im Büroalltag.
Frau Motsch, vielen Dank für das Gespräch. 
Fotos: Photogenika München
20.01.2017

So legen Sie einen guten ersten Eindruck hin: 10 Tipps von Elisabeth Motsch

  • Dresscode, der Ihrem Unternehmen, Ihrem Produkt oder dem Anlass entspricht (z. Bsp. trägt ein Banker einen anderen Kleiderstil als die meisten seiner Kunden)
  • Kleidung mit guter Passform – nicht zu groß und nicht zu klein
  • Eine gepflegte Frisur, gepflegte Fingernägel
  • Schuhe und Accessoires passend zum Outfit
  • Freundlich und offen auf den anderen zugehen - Blickkontakt halten
  • Distanzzonen beachten
  • Ein fester Händedruck
  • Den anderen mit Namen ansprechen (Wenn Name bekannt)
  • Eine freundliche und angenehme Stimme und Tonlage
  • Ein angenehmer Geruch – wenig Parfum und immer mit Deodorant

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