Warum gelten Schwellenländeranleihen als attraktive Kapitalanlage?
Was hat sich geändert? An erster Stelle ist das Gewicht der Emerging Markets an der globalen Wertschöpfung zu nennen. Laut Internationalem Währungsfonds liegt der Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung bei 61 %, d. h. mehr als die Hälfte der globalen Wertschöpfung stammt aus diesen Ländern. Das Wachstum selbst lag in den vergangenen Jahren immer über dem der entwickelten Volkswirtschaften. Das World EconomicForum schätzt auch für die Zukunft ein um 2 Prozentpunkte höheres Wachstum.
Hinzu kommt ein im Mittel positiver Außenhandelsbeitrag, d. h. diese Länder verkaufen mehr ins Ausland als sie selbst kaufen. Dies führte bereits zu deutlich höheren Devisenreserven als während der Krise. Die Möglichkeit, Schulden zu bedienen ist damit massiv angestiegen. Dadurch, dass sich mittlerweile flexible Wechselkurse etabliert haben, werden diese Reserven auch nicht mehr in hohem Maße zur Stabilisierung des Wechselkurses benötigt. Sie stehen also tatsächlich zur Tilgung der Schulden zur Verfügung. Brasilien beispielsweise verfügt über mehr US-Dollarreserven als Schulden in US-Dollar. Die Glaubwürdigkeit der Notenbanken hat sich zudem dramatisch verbessert. Beispielsweise wurde die Inflation in den Emerging Markets während der Nach-Covid-Ära sehr viel schneller und härter bekämpft als in den Industrienationen. Dies erlaubte den Notenbanken schneller durch Zinssenkungen das Wirtschaftswachstum wieder zu stützen.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der zur Stabilität der Märkte für Schwellenländeranleihen geführt hat, ist die Entwicklung von lokalen Anleihemärkten. Staaten, aber auch Unternehmen, aus den Emerging Markets können sich über diese lokalen Märkte in ihrer eigenen Währung verschulden. Dies bedeutet, dass ein Teil der Anlegerbasis stabiler ist. Lokale Versicherungen und Banken werden in Krisen weniger geneigt sein, Anleihen des eigenen Landes oder von Unternehmen aus dem eigenen Land zu verkaufen. Das Risiko, über sinkende Einnahmen in USD und EUR oder über eine Wechselkursschwäche in Zahlungsschwierigkeiten zu kommen, sinkt dadurch erheblich.
All diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass es heute eine Vielzahl an Schwellenländern und Unternehmen aus diesen Ländern gibt, die über ein Investment-Grade-Rating verfügen. Als Konsequenz hat sich die Investorenbasis verbreitert und die Emerging Markets haben sich als Kerninvestition etabliert. Die Zeiten des "tourist moneys", d. h. Geld, das schnell kommt, aber auch zügig wieder geht, sind weitgehend Vergangenheit.