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Sicher im Internet und in sozialen Netzwerken

3,4 Milliarden Menschen nutzen das Internet weltweit. Davon sind 2,3 Milliarden in sozialen Netzwerken angemeldet. 51 Prozent davon zählen als Nutzer mobiler Endgeräte. Viele Personen schauen nur noch auf das Handy und nehmen ihr Umfeld nicht bewusst wahr. Wer kein Internet hat, kann kaum mehr am sozialen und gesellschaftlichen Leben teilhaben. Das Internet bietet neben Chancen auch viele Risiken, über die wir mit dem Cyberexperten Markus Wortmann gesprochen haben.

Herr Wortmann, welche Daten sammelt das Internet von mir als Privatperson?

Das Internet vergisst nichts. Es macht an keiner Landesgrenze halt. Einmal eingegebene Daten sind ein Leben lang vorhanden. Jeder hat Zugriff auf unsere Daten. Das heißt, wir werden immer transparenter, weil wir freiwillig immer mehr Informationen von uns preisgeben. Das geht schon bei der Eingabe von Begriffen in Suchmaschinen los. Dadurch können sich Anbieter wie beispielsweise Google oder Yahoo mit der Zeit ein immer exakteres Bild von uns machen und uns zielgerichtete Angebote unterbreiten. Verstärkt wird dies durch die sozialen Netzwerke.
Durch das Veröffentlichen von persönlichen Daten wie aktuellem Aufenthaltsort, Wohnort, Fotos und Freundeskreis werden wir zunehmend gläsern. Einerseits ist dies immer alltäglicher, andererseits birgt dies auch große Risiken. Für Cyberkriminelle wird es dadurch immer leichter, an Daten ihrer Opfer zu gelangen und damit finanzielle oder Imageschäden anzurichten.
Welche Risiken ergeben sich aus der Nutzung von WhatsApp insbesondere in Bezug auf Bildrechte?
Pro Tag werden weltweit 42 Milliarden Nachrichten verschickt. Diese beinhalten oft sensible Daten und Fotos. Natürlich sind Nachrichtendienste sehr nützlich, dennoch sollte damit bewusst umgegangen werden. Es ist genau zu überlegen, welche Daten ins Netz gehören oder verschickt werden und welche nicht. Viele Nutzer wissen nicht, dass WhatsApp die Daten nicht nach deutschem Recht auf Servern in Deutschland verwaltet. Daten werden im Ausland und nach ausländischem Recht verwaltet. Als User erkläre ich mich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) bereit, dass bezüglich der Statusmeldungen alle Rechte an WhatsApp übergehen. Der Großteil der Nutzer weiß nicht, was er damit akzeptiert. Über andere Anbieter von Messenger-Diensten informieren sich die meisten User leider nicht. 
Wie ist es mit Bildern in Messenger-Diensten und grundsätzlich im Netz?
Auch hier gilt: Das Internet vergisst nichts. Bilder die einmal im Netz sind, können quasi nicht mehr gelöscht werden. Das persönliche Recht am eigenen Bild gilt natürlich auch im Internet. Jeder Mensch darf grundsätzlich selbst darüber bestimmen, ob und in welchem Zusammenhang Bilder von ihm veröffentlicht werden. In sozialen Netzwerken hängt das Nutzungsrecht der Bilder immer von den AGBs ab. Lade ich zum Beispiel auf Facebook oder Twitter ein Bild von mir selbst hoch, so erlaube ich den Anbietern die hochgeladenen Bilder innerhalb des Netzwerks zu nutzen. Wenn ich das Bild einer anderen Person einstelle oder per Messenger versende, muss ich erst deren Erlaubnis einholen. Ansonsten begehe ich einen Verstoß gegen Persönlichkeitsrechte. Was sehr wichtig ist: Kinderfotos gehören nicht ins Netz, denn auch Kinder haben Persönlichkeitsrechte. 

Autorin:
S. Kuppinger

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Markus Wortmann ist Kriminalbeamter und Präventionsfachberater Cybercrime beim Polizeipräsidium Südosthessen. Er hat in vielen Kriminalbereichen gearbeitet wie etwa in der Bekämpfung der Kinderpornografie. Als Kriminologe sucht er Erklärungsansätze dafür, warum Verbrechen begangen werden. Nach seinem Studium hat er den gemeinnützigen Verein "das Netz hilft – www.sicheres-netz-hilft.de" gegründet. Sein Team besteht aus Informatikern, Wissenschaftlern und Psychologen sowie Juristen. Sie vermitteln Menschen jeden Alters die Chancen und Risiken der digitalen Medien. Das ist eine wichtige Aufgabe, weil die digitale Medienlandschaft einen immer größeren Einfluss auf das berufliche sowie private Leben nimmt. 

Wie stehen Sie dem Onlinebanking gegenüber?
Onlinebanking ist sehr nützlich und grundsätzlich sicher, wenn die Grundregeln beachtet werden. Die Sicherheit ist unabhängig vom Endgerät. Der TAN-Generator ist allerdings sehr wichtig - ohne diesen würde ich Onlinebanking nicht empfehlen. Eine sichere Grundeinstellung des Smartphones oder PCs muss ebenso gewährleistet sein. Dazu zählen ein verschlüsseltes WLAN, ein aktuelles Betriebssystem, geprüfte Sicherheitseinstellungen, sichere Passwörter, ein Antivirenprogramm und ein angepasstes Nutzerverhalten. Als Nutzer bin ich verantwortlich dafür, dass ich mich bestmöglich schütze und informiere sowie meine Einstellungen überprüfe. Ansonsten besteht die Gefahr, dass meine Daten abgegriffen werden.
Wie sollte aus Ihrer Sicht mit der digitalen Datenspeicherung umgegangen werden?
Die Datenspeicherung ist ein sehr wichtiges Thema. Auch bei Cloud-Diensten empfehle ich auf einen Anbieter zu setzen, bei dem die Daten in Deutschland gespeichert werden und bei dem diese dem deutschen Recht unterliegen. Im schlimmsten Fall, wenn beispielsweise die Daten verloren gehen, können über die gesetzlichen Möglichkeiten Regresse eingefordert werden.

Welche Tipps und Tricks können Sie unseren Lesern noch mit auf den Weg geben?
Grundsätzlich sollte jegliche Hardware auf die Einstellungen überprüft und entsprechend angepasst werden. Dazu zählen nicht nur Computer, Tablets und Smartphones, sondern auch Router. Router und WLAN sollten verschlüsselt und mit einer Kindersicherung inklusive Passwortschutz versehen sein. Bezüglich der Software ist zu beachten, dass das Betriebssystem, die Firewall und das Antivirenprogramm immer auf dem aktuellsten Stand sind. So können Sicherheitslücken weitestgehend verhindert werden. Mein Fazit: Der beste Schutz ist es, so wenig wie möglich von sich preiszugeben.
Herr Wortmann, vielen Dank für das Gespräch.

Weitere Informationen:
www.polizei-beratung.de
www.polizeifuerdich.de
www.bsi-fuer-buerger.de
www.klicksafe.de

Die wichtigsten Tipps von Markus Wortmann für deutlich mehr IT-Sicherheit!

Passwörter
Vergeben Sie für jeden Zugang ein Passwort. Zunächst sollte Ihre gesamte Hardware wie der Zugang zum Smartphone mit einem Passwort versehen sein. Aber auch für Programme wie Apps sollten Sie auf allen digitalen Medien ein Passwort vergeben. Ihr Passwort sollte möglichst sicher sein. Das heißt mindestens zwölf Zeichen lang, Groß- und Kleinbuchstaben sowie Sonderzeichen und nicht in Wörterbüchern vorkommend. Haben Sie Passwörter die aus vier Nullen oder 1, 2, 3, 4, 5, 6 bestehen, bieten diese überhaupt keinen Schutz. Verraten Sie Ihre Passwörter niemandem und wechseln Sie die Passwörter regelmäßig. Speichern Sie die Passwörter nicht im Browser. Passwörter, die der jeweilige Browser speichert, sind in der Regel unverschlüsselt und können von Schadprogrammen im Klartext ausgelesen werden.

Software
Jeder, der das Internet nutzt, benötigt eine Antivirensoftware. Egal ob kostenlos oder kostenpflichtig. Für jedes Ihrer digitalen Endgeräte ist ein Schutz unabdingbar. Wichtig ist nur, dass er immer auf dem aktuellsten Stand ist. Denn wenn Sie eine Seite, ein Bild oder eine Nachricht öffnen, können schädliche Viren und Würmer installiert und Dateien geschädigt werden. Die Antivirenprogramme spüren diese Schädlinge auf, sperren und entfernen sie. Um Ihren Schutz auch bei Verbindung mit dem Internet aufrechtzuerhalten, benötigen Sie eine Firewall. Sie schützt zusätzlich vor unbefugtem Zugriff auf das System von außen.

E-Mails
Achten Sie auf Kleinigkeiten, beispielsweise auf den exakten Absender Ihrer empfangenen E-Mails. Kriminelle erstellen täuschend echte E-Mails von vermeintlich seriösen Absendern, um an Ihre Daten zu gelangen. E-Mails sowie insbesondere deren Anhänge und Verlinkungen von unbekannten Absendern sollten Sie niemals öffnen.

Abzocke
Auf Ihrem Smartphone sollten Sie kostenpflichtige Rufnummern sperren. Außerdem kann eine Drittanbietersperre sowie die Sperrung kostenpflichtiger Rufnummern über den jeweiligen Anbieter eingerichtet werden. Diese verhindert, dass Sie aufgrund von Apps in eine Kostenfalle geraten. Tippen Sie zum Beispiel versehentlich auf einen Werbebanner, stimmen Sie gegebenenfalls unwissentlich einem Abo Vertrag zu.

Achtsamkeit
Software und Dateien aus dem Internet sollten Sie auf ihre vertrauenswürdige Herkunft überprüfen. Öffnen Sie keine Inhalte aus dem Netz, deren Herkunft Sie nicht kennen. Auch sollten Sie vertrauliche Daten an niemanden weitergeben (wie Passwörter, PIN, TAN, Konto- und Kreditkartendaten, Zugangsdaten zu Online-Shops oder Accounts für Profile von sozialen Netzwerken).

Schadensfall
Benachrichtigen Sie die Polizei sofern Sie Opfer von Cyberkriminalität werden und erstatten Sie Anzeige. Wenn Sie eine Cyberpolice abgeschlossen haben, informieren Sie auch Ihren Versicherer.

25.04.2017

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