Ortsschild Braunsbach
Ortsschild Braunsbach
Ortsschild Braunsbach

Unwetter in Braunsbach - ein Jahr nach der Katastrophe durch das Sturmtief Elvira

Das Wetter im Frühsommer im vergangenen Jahr spielte komplett verrückt. Von Ende Mai bis weit in den Juni hinein zogen Unwetter über Deutschland hinweg. Das Örtchen Braunsbach im Norden Baden-Württembergs, ein 1000-Seelendorf mit dem Orlacher Bach, traf es am 29. Mai besonders hart. Starke Regenfälle lösten eine Schlamm- und Gerölllawine aus, die sich gnadenlos durch den Ort schob. Vor allem die Häuser an der Hauptstraße entlang bis zum Ortskern wurden stark verwüstet. Wir haben unsere Kunden, die Familie Frick, besucht, deren Wohnhaus und ihr landwirtschaftlicher Betrieb schwer beschädigt wurden. Ulrike und Eduard Frick bewirtschaften ihre Landwirtschaft im Nebenerwerb, sie besitzen 14 Hektar überwiegend in Steillage und sechs Rinder. Obwohl die Katastrophe immer noch sichtbar in Braunsbach ist, haben sie es gemeinsam geschafft und blicken zuversichtlich nach vorne.
Nichts deutete darauf hin
Der 29. Mai. Das ist ein Tag, an dem sich von jetzt auf nachher vieles im Leben der Familie Frick geändert hat. Sie werden ihn so schnell nicht mehr vergessen. Der Tag selbst war für Ulrike Frick zunächst unaufgeregt: "Nichts deutete auf die Katastrophe hin, es regnete zwar heftig, aber jeder ging seinem Alltag nach". Ulrike Frick spielt seit einigen Jahren Theater im örtlichen Laienensemble. Sie ging, wie immer sonntags am frühen Abend zur Theaterprobe für das neue Stück "Bauernopfer". Nach der Probe ging sie im Regen heim. Auch für Eduard Frick war der Tag nicht außergewöhnlich: "Ich bin trotz des Wetters nochmal los, um nach den Wiesen und unserem Vieh zu schauen". Einen Tag zuvor hatten die beiden nämlich ihre Kühe aus dem Stall hinauf auf den vom Hof aus sichtbaren Steilhang gebracht. "Wir waren uns mit dem Zeitpunkt überhaupt nicht einig und wir hatten deswegen eine große Diskussion", schmunzelte Eduard Frick. Aber im Nachhinein haben die beiden alles richtig gemacht, denn vom Stall sollte ein paar Stunden später nicht mehr viel übrig bleiben.
Wie im Kino
Selbst das laute Tosen ließ Ulrike Frick nicht stutzen. "Ich habe mir erst nichts gedacht, weil der Orlacher Bach bei starkem Regen ja eh laut ist. Ich schaute dann aber doch aus dem Fenster und sah die Wassermassen, erst ein Feuerwehrauto, das vorbeischwamm, dann Baumstämme und Äste. Ich habe ehrlich gesagt nicht realisiert, was ich da sehe. Es war wie im Kino. Selbst als mein Auto davonschwamm, war ich nicht fähig, diese Szene als real anzusehen. Ich habe mir sogar Putzlappen und einen Schrubber geholt, um meine Küche sauber zu halten, falls das Wasser über das Treppenhaus so weit hochsteigt. Aber dann merkte ich, dass das nicht ausreicht, etwas ganz Schlimmes gerade passiert und ich eigentlich hier weg muss.“ Die Erinnerung an die Katastrophe und die Ungewissheit, wo ihr Mann war, zehren heute noch an ihr. Es fällt ihr sichtlich schwer, darüber zu sprechen: "Ich war wie im Schock, habe nur noch gebrüllt, weil ich dachte, mein Mann sei ertrunken, weil er kurz zuvor das Haus verlassen hatte. Aber irgendwann stand er plötzlich da und ich schaute ihn an als wäre er ein Geist. Gemeinsam retteten wir uns zum ältesten Bruder meines Mannes. Dort fanden sich noch einige weitere Nachbarn ein."
Eduard Frick hat selbst, wie er erzählt, von der Welle und dem Lärm nichts mitbekommen. Er war zu der Zeit auf einer Weide zur Kontrolle, die vom Ortskern Braunsbach etwas weiter entfernt lag.

Der Unwetter­sommer 2016
2016 war geprägt durch eine extreme Unwetter­lage, die ab Ende Mai bis Ende Juni hinein über Deutsch­land lag. Am Anfang sah es nur nach einem Unwetter­wochen­ende aus. Das Sturm­tief Elvira kreiste ab dem 27. Mai bis zum 29. Mai über Deutsch­land. Aber dann hörte es gar nicht mehr auf. In ganz Deutsch­land reihte sich ein schweres Unwetter ans nächste, und wir lernten, was eine Omega-Wetter­lage ist. Die gibt es dann, wenn ein stabiles Hoch­druck­gebiet von zwei Tiefs, die sich ebenfalls nur wenig verlagern, flankiert wird. Typisch für Omega-Wetter­lagen sind extreme Wetter­erscheinungen, im Einfluss­bereich der beiden Tiefs gibt es häufige und ergiebige Nieder­schläge. Stabile Wetter­lage hieß diesmal stabile Unwetter­lage. Wochen­lang kam es nahezu jeden Tag an anderen Orten zu Stark­regen und Über­schwemmungen. Den Ort Brauns­bach im Norden Baden-Württem­bergs traf es Ende Mai. Es war nicht nur Brauns­bach, das über­schwemmt wurde - hier wurde nur am deutlichsten, welche Gewalt Wasser haben kann und wie schnell aus Stark­regen Über­flutung wird. Allein das Unwetter­tief „Elvira“ sorgte Ende Mai bei der SV für ein Schaden­volumen von über 100 Millionen Euro. Am Ende beliefen sich die versicherten Schäden des Unwetter­sommers deutsch­land­weit auf rund 1,2 Milliarden Euro.

#land_unter - Der Unwetter-Sommer 2016

Morgenmagazin vom 30.05.2016

Wetteronline vom 30.05.2016

Privatvideo

Luftbildaufnahmen

Orlacher Bach in Braunsbach

Der Orlacher Bach, eigentlich ganz harmlos

Orlacher Bach in Braunsbach

Der Orlacher Bach, eigentlich ganz harmlos

Das Ausmaß wird sichtbar
Das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde erst am nächsten Morgen sichtbar. "So schlimm kann es doch gar nicht sein" war der erste hoffnungsvolle Gedanke von Ulrike Frick. Aber die Bilanz war verheerend: Im ganzen Ort, vor allem der Hauptstraße entlang, lag das Geröll 3 bis 3,5 Meter hoch. Einige Häuser waren anderthalb Geschosse hoch mit Lehm und Steinen gefüllt, von außen waren Autos und weiteres Geröll gegen die Häuser geprallt. Einige Häuser waren nicht mehr zu retten und bereits in Teilen eingestürzt. Die persönliche Bilanz bei den Fricks: Da die Gebäude am Rande des Ortes in der direkten Einflugschneise der Lawine liegen, wurden sie sehr stark von den Wasser- und Geröllmassen getroffen. Der Stall, in dem noch ein paar Tage zuvor Fanni, Fiona, Flora, Finny, Florida und die Weiße standen, war komplett voll mit Geröll, das Haus voll mit Schlamm. "Auch unsere 400 Liter Most im Keller waren weg", sagte Ulrike Frick.
Kühe im Stall

Zwei Kühe konnten sogar von ihrer Weide aus die Gerölllawine sehen. Heute stehen die sechs in ihrem Notstall. Die Werkstatt von Herrn Frick dient bis heute als Stall.

Kühe im Stall

Zwei Kühe konnten sogar von ihrer Weide aus die Gerölllawine sehen. Heute stehen die sechs in ihrem Notstall. Die Werkstatt von Herrn Frick dient bis heute als Stall.

Die Hilfsbereitschaft war sehr groß
Hilfe bekamen die Fricks von vielen Seiten. Die Feuerwehr war recht zügig da, sie musste sich aber erst einen Weg in den Ort bahnen, weil die Zufahrtsstraßen blockiert waren. Auch der jüngere Bruder von Herrn Frick aus Stuttgart kam schnell und half mit, er brachte Pumpen und Notstromaggregate. Die ganze Nachbarschaft half. "Der Zusammenhalt und die Hilfsbereitschaft im Ort und vor allem der Bewohner der Hauptstraße waren sehr groß", erzählt Eduard Frick. "Das hat uns sehr gut getan, sich hier nicht alleine zu fühlen". Gemeinsam wurde so gut es ging aufgeräumt, sauber gemacht, der Schlamm entfernt. Strom gab es sogar nach einer Woche wieder, bis dahin gab es Notstrom.
Personen am Tisch

Peter Philipp, Leiter des Schadenbereichs der SV links, und Stefanie Rösch vom Onlinemagazin (2.v.r.), besuchten Ulrike und Eduard Frick und ließen sich ihre Erlebnisse schildern. 

Personen am Tisch

Peter Philipp, Leiter des Schadenbereichs der SV links, und Stefanie Rösch vom Onlinemagazin (2.v.r.), besuchten Ulrike und Eduard Frick und ließen sich ihre Erlebnisse schildern. 

Auch noch an die Pflicht gedacht
Obwohl die Stunden und Gedanken ausgefüllt waren mit der Rettung ihres Hofes, dachten die Fricks sogar noch an Pflichtanrufe. Pflichtbewusst sagten die Fricks noch anstehende Arzttermine ab. Auch an das Telefonat mit ihrem Arbeitgeber, der Gemeinde Untermünkheim, welches ihr Mann geführt hat, kann sich Ulrike Frick noch gut erinnern. Er erklärte ihren Kollegen damals, dass seine Frau heute nicht ins Geschäft kommen könne, weil ihr Auto weg sei. Dass es sich aber um eine große Katastrophe handelt, hatte sich schon längst in der Nachbargemeinde herumgesprochen. Auch hier erfuhren die Fricks eine große Solidarität. Eine Woche später war Ulrike Frick wieder im Büro, um ein bisschen Normalität in das eigene Leben zu bekommen. Und noch einen Pflichtanruf tätigten die Fricks. Sie informierten ihren Versicherungsvertreter von der SV - die Generalagentur Marcel Schöll in Schwäbisch Hall. Die Regulierer der SV kamen sehr schnell, um sich einen ersten Eindruck vor Ort zu verschaffen. Eduard Frick: "Wir wollten, dass das Haus erhalten bleibt, obwohl es so stark beschädigt war. Wir hatten auch erst im Wohnbereich umgebaut und viel Geld hineingesteckt."
Beschädigter Bauernhof in Braunsbach

Der Hof der Fricks. Die Schäden sind bis heute sichtbar.

Beschädigter Bauernhof in Braunsbach

Der Hof der Fricks. Die Schäden sind bis heute sichtbar.

Gut, dass wir so gut versichert waren
Dass diese Sanierung Zeit kostet, war allen Seiten schnell klar. Denn das Haus wurde nur noch vom Geröll gestützt. Ob das Gebäude gerettet werden konnte, mussten verschiedene Fachexperten zunächst sorgsam prüfen. Dafür wurden von der SV zusätzliche Sachverständige, Architekten und Statiker herangezogen und Gutachten erstellt. Das Haus konnte nur Stück für Stück abgestützt werden und nach und nach vom Geröll befreit werden. Der Schaden der Fricks ging in die Hunderttausende. Gut, dass die Fricks versichert waren. Die SV übernahm den Schaden an den Gebäuden. "Erst jetzt weiß ich auch wie viel Glück wir hatten", fasst Ulrike Frick zusammen. Sie habe sich mit dem Thema Versicherungen nämlich nie wirklich intensiv beschäftigt, gibt sie zu. "Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, was eine Elementarschadenversicherung ist und auch nicht, dass wir eine haben und wie wichtig sie ist. Ich hätte auch nie gedacht, dass es bei uns mal so gefährlich werden könnte. Aber dafür weiß ich das jetzt umso besser und werde nicht müde, in meinem Bekannten- und Freundeskreis darauf hinzuweisen, dass sie sich versichern sollen", erzählt Ulrike Frick.
Zuversichtlicher Mann

Eduard Frick blickt zuversichtlich nach vorne.  

Zuversichtlicher Mann

Eduard Frick blickt zuversichtlich nach vorne.  

Wir machen weiter
Viele haben die Fricks gefragt, wie es bei ihnen nun weitergeht. "Wir bleiben da und wir wollen weiter machen und das ist unser großer Antrieb. Es ist unsere Heimat." Auch dem Bürgermeister Frank Harsch war es wichtig, dass das Paar weiter macht und sie erfuhren auch von der Gemeindeseite eine große Unterstützung. Die Fricks sind der letzte Betrieb mit Viehhaltung in Braunsbach, früher gab es hier noch 35 Bauern. Auf die Frage, was sich verändert hat, wird Eduard Frick nachdenklich: "Ich bin demütig geworden. Vieles brauche ich nicht mehr. Wir haben ja von Null wieder angefangen." Ulrike Frick blickt positiv nach vorne: "Man sehnt sich nach Normalität." Auch bei den Theaterproben ging es übrigens weiter. Die Schauspieler haben entschieden, ab Juni weiter zu proben. Das "Bauernopfer" haben sie zwischenzeitlich vier Mal aufgeführt und waren fast vier Mal ausverkauft.
Fotos: Marc Gilardone / Marcel Schöll

15.05.2017
  • Ulrike Frick sah die Welle von ihrem Fenster aus. Sie hatte große Panik und große Sorge um ihren Mann.

  • Peter Philipp, Leiter des Schadenbereichs der SV, ist zufrieden wie die Schadenregulierung in Braunsbach und bei der Familie lief. Auch die Fricks sind sehr zufrieden.

  • Eduard Frick war an dem Abend auf einem entfernten Feld beschäftigt und fand seinen Hof stark beschädigt vor.

  • Eduard Frick ist froh, dass seinen sechs Kühen in der Nacht nichts passiert ist.

  • Fanni, Fiona, Flora, Finny, Florida und die Weiße in ihrem Notstall.

  • Historische Türschwelle im Hof der Fricks

  • Gezeichnete Häuser in Braunsbach

  • Gezeichnete Häuser in Braunsbach

  • Gezeichnete Häuser in Braunsbach

  • Die Hauptstraße in Braunsbach

  • Um Viertel nach acht war der Strom in Braunsbach weg. Diese Uhrzeit zeigt die Uhr in Braunsbach heute noch.

  • Nur mit schwerem Gerät war ein Durchkommen möglich

  • Meterhoch lagen Geröll und Bäume im Ort

  • Geröllmassen schoben sich durch den Ort

  • Die Gerölllawine traf das Haus der Fricks mit voller Wucht

  • Das Ausmaß der Zerstörung zeigte sich am Folgetag

  • Überall Geröll

Autorin:
Stefanie Rösch

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

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