• Ein Unwetter zeiht über dem Feld auf

    Abenteuer Sturmjagd

    Unterwegs mit Wetterfotograf Bastian Werner

     
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Mit Wetterfotograf und Stormchaser Bastian Werner in die Gewitterfront

0:37 Uhr, auf der Höhe von Hermeskeil, Rheinland-Pfalz. Um uns herum zucken wilde Blitze, der Regen prasselt auf das Autodach. Der Wetterfotograf Bastian Werner lehnt sich zufrieden im Sitz zurück. Tablet- und Handy-Bildschirm bleiben schwarz, wir sind auf dem Weg nach Hause.

Acht Stunden lang haben wir die Gewitterfront verfolgt, die sich an diesem Tag quer über dem Osten Frankreichs und dem Westen Deutschlands entwickelt hat. Nun ist es vorbei, zumindest für den Fotografen.
Das Geschäft eines Wetterfotografen ist sehr wechselhaft. „Alle Parameter können stimmen, aber dann passiert doch etwas ganz anderes,“ sagt Bastian, der live mit Hilfe von aktuellen Wetterkarten während der Fahrt immer wieder die Entwicklung verfolgt und entsprechend navigiert. Die Wolkenbildung beobachtet er genau und leitet daraus das Potenzial ab, wie sich die Front an dieser oder einer anderen Stelle entwickeln kann. Seit zehn Jahren fotografiert Bastian Werner nun schon das Wetter und hat sich im Verlauf der Zeit einen unbezahlbaren Erfahrungsschatz angeeignet.

Die Geburt einer Shelfcloud

Lange Zeit passiert nichts, wir fahren und schauen. Ein Platz zum Fotografieren muss gefunden werden, mit freiem Blick auf die Front und möglichst ohne Strommasten im Blickfeld. Auf der Höhe von Metz platzieren wir uns am frühen Abend zum ersten Mal. Wir beobachten über eine Stunde lang, wie sich eine riesige Shelfcloud entwickelt. In der sogenannten Konvektionszone saugt die Wolke alle Wolken um sich herum wie ein schwarzes Loch an. Mit dem Ergebnis, dass es vor der Front aufklart.
In dem mehr oder weniger unstrukturierten Wolkengebilde passiert zunächst scheinbar gar nichts, die Dynamik ist gering. Dann geht es schlagartig los und die Wolke nimmt Tempo auf. Damit geht es auch für uns mit dem Fotografieren los. Aber nur zehn Minuten, dann springen wir in das Auto, damit wir vor der Front bleiben können.
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Eine riesige Shelfcloud bildet sich auf der Vorderseite des aufziehenden Gewitters.

Sicher und trocken bleiben
Wir fahren im Dunkel der drohenden Wolke Richtung Luxemburg, finden schließlich eine schöne Wiese am Hang mit der perfekten Neigung. Kaum haben wir uns durch den Stacheldraht gequetscht, schon geht die Post ab. Blitze zucken, die markanten beutelförmigen Mammatus-Wolken leuchten. „Da rechts, ein Downburst!“, ruft Bastian. Im grünlichen Licht bricht die kalte Luft nach unten zum Boden durch und mächtige Regenschleier verdecken nun die Sicht auf die Wolkenkante.
Wir sind noch trocken, aber die Front rauscht auf uns zu und nach ein paar Minuten fallen die ersten Tropfen. Im Laufschritt geht es zurück ins Auto, bevor der starke Regen auch uns erreicht. Mittlerweile ist es Nacht geworden, halb zehn.
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Das Gewitter rast auf uns zu. Der Downburst mit dem starken Regen ist gut rechts im Bild zu erkennen.

Die Temperaturen fallen von 30 auf 15 Grad, der Wind rüttelt am Auto, als wir uns zwischen der mittlerweile vollständig aufgelaufenen Front einen Weg Richtung Trier suchen. Wir wollen in der riesigen V-förmigen Front die Lücke finden, wo es noch nicht regnet.
Nach einer Weile hin und her - es ist nicht ganz einfach in der bergigen Region den passenden Platz zu finden - stehen wir auf einer Hochfläche mit Blick nach Südosten. Aus der Richtung Rheinland-Pfalz und Saarland kommen die Blitze im Sekundentakt aus den Wolken. Der Wind peitscht um uns herum.
„Schaut mal, da bildet sich ein Funnel“, ruft Bastian. Tatsächlich: schräg über uns sehen wir ein helles Dreieck, das immer spitzer wird, die Keimzelle eines Tornados. Gefahr besteht nicht, dafür ist das Dreieck zu hoch. Da es aber nun auch hier zu schütten anfängt, ist für uns Fotografen die Nacht zu Ende und wir packen zusammen. Zeit für den Heimweg!
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Blitze rund um uns herum beleuchten die Wolken in der Nacht. Kurz darauf setzt der Wolkenbruch ein.

10.07.2019

Sturmjäger und Wetterfotograf Bastian Werner
Bastian Werner (www.bastianw.de) begeistert sich seit seiner Jugend für das Wetter. Seit vielen Jahren jagt er Gewitter und gehört damit zu den erfahrensten Sturmjägern in Deutschland. Zwei Bücher hat er bereits über die Wetterfotografie geschrieben und gibt Fotokurse. Von Bastian Werner stammen alle Wetterfotos im neuen Unwetterratgeber der SV.

SV Unwetterratgeber

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Neun faszinierende Wetterfotos von Bastian Werner aus unserem Unwetterratgeber

  • Positiver Erdblitz aus einer Gewitterzelle am 29.08.2012. Aufgenommen bei Alzey, Rheinland-Pfalz.

  • Diverse Blitze aus einer Superzelle, 09.06.2018. Superzellen wie diese können über einen langen Zeitraum an einem Ort verweilen und heftige Überschwemmungen verursachen. Aufgenommen bei Bad Mergentheim, Baden-Württemberg.

  • Einschlag zweier Erdblitze in Basel, aufgenommen von Lörrach, 27.06.2017, Baden-Württemberg.

  • Aufziehende Gewitterfront bei Michelsrombach in der Rhön, 22.06.2017, Hessen. Die grünliche Färbung deutet auch viel Hagel und Regen.

  • Aufziehende Gewitterfront aus Osten, 10.07.2014. Die seltenen Unwetter aus Osten sind besonders stark, denn trockene, kontinentale Luft begünstigt die Bildung von Orkanböen und großem Hagel. Aufgenommen bei Montabaur, Rheinland-Pfalz.

  • Gewitterzelle in der Dämmerung, 07.06.2016 bei Heidelberg, Baden-Württemberg.

  • Ortsfeste Gewitterzelle 13.05.2017 bei Walldorf, Baden-Württemberg, Gewitter, welche sich nicht fortbewegen bringen starke Überschwemmungen mit sich.

  • Superzelle mit Wolkenabsenkung, 18.08.2017, Eine solche Wolkenabsenkung birgt ein hohes Potential für Tornados. Aufgenommen bei Amberg, Bayern.

  • Regenbogen im Orkantief „Xaver“ 06.10.2017. Eine abziehende Gewitterzelle des Orkantiefs Xaver, aufgenommen bei Kassel, Hessen.

Autorin:
Sylvia Knittel
Pressesprecherin der SV und leidenschaftliche Fotografin mit einer großen Faszination für die Wunder der Natur und für sämtliche Wetterphänomene.
Hund mit Briefen im Maul

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