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Ein Blick in die Zukunft: Elektromobilität in Thüringen

eMobilityCity: Unter diesem Namen sind zehn Forschungs- und Erprobungsprojekte zusammengefasst, die in Thüringen bis 2018 umgesetzt sein sollen. Die Innoman GmbH aus Ilmenau ist dabei die Schaltzentrale für den Austausch zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und der Kommune Erfurt.
Die Energiewende als Treiber für Innovationen nutzen – das war es, was die Innoman GmbH, Beratungsgesellschaft für externes Innovationsmanagement, vor sechs Jahren auf das Thema Elektromobilität brachte. Als erklärter Technikenthusiast begeistert Geschäftsführer Frank Schnellhardt die Projektvielfalt rund um die Elektromobilität besonders: „Ich weiß, dass wir hier vor einem großen Veränderungsprozess stehen und ich möchte ihn mitgestalten.“ Das siebenköpfige Team der Innoman GmbH beschäftigt sich seit eineinhalb Jahren unter anderem mit dem Netzwerk eMobilityCity. Vier „Innovationsmanager“ koordinieren die Projekte und vermitteln zwischen den fünf Forschungseinrichtungen, mehreren Unternehmen und der Kommune Erfurt. In dem Netzwerk seien verschiedene Kompetenzen vereint, erklärt Innovationsmanager Marcel Schöttke. Die Forschungsaufträge gehen an Thüringer Forschungseinrichtungen, wie beispielsweise die TU Ilmenau, das Fraunhofer Institut oder die Bauhaus-Universität Weimar. Die Unternehmen beschäftigen sich mit der Umsetzung der Ergebnisse, die Kommune sorgt für ihre Implementierung.

Autorin:
Anne Heimerl

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Frank Schnellhardt und Marcel Schöttke von der Innoman GmbH

Innovationsmanager Frank Schnellhardt und Marcel Schöttke von der Innoman GmbH

Frank Schnellhardt und Marcel Schöttke von der Innoman GmbH

Innovationsmanager Frank Schnellhardt und Marcel Schöttke von der Innoman GmbH

Clevere Lösungen für intelligente Städte
Die Herausforderung der Projekte rund um eMobilityCity liegt darin, dass sich die Erzeugung Erneuerbarer Energien kaum steuern lässt und der Strom nur bedingt gespeichert werden kann. „Wind gibt es oft dann, wenn wenig Energie gebraucht wird, und wenn man Energie braucht, fehlt der Wind“, erklärt Schnellhardt. Dabei wird klar: Die Erzeugung lässt sich nicht beeinflussen, aber die Ausspeisung kann verschoben und geplant werden. Genau an diesem Punkt setzt eMobilityCity an und entwickelt intelligente IT-Lösungen. Zu Spitzenzeiten wie abends, wenn alle von der Arbeit nach Hause kommen, belastet das Aufladen der Elektroautos das Stromnetz enorm. Kommuniziert das Auto aber der Ladebox, es brauche bis morgen früh 20 kWh Ladung, so kann das System die Ladezeit und vor allem den richtigen Ladezeitpunkt errechnen und die Aufladung steuern. Doch eine gute Idee reicht noch nicht zur Serienreife: Sie muss auch leicht handzuhaben sein und sich in den Alltag integrieren lassen. Daher geht es für eMobilityCity-Projekte nach der Produktentwicklung in die Erprobungsphase.
Pendler- und Flotten-Initiativen
Gerade die Erprobungsphase hilft, die Scheu vor der Elektromobilität zu nehmen. „Die Veränderung muss man einfach selbst erlebt haben“, erklärt Schnellhardt. Um Unsicherheiten zu beseitigen, hat Innoman Initiativen wie die Pendler- oder die Flotten-Initiative ins Leben gerufen. Zwei Tage lang durften Pendler sich ein Elektroauto leihen und testen. „Viele haben sich sogar Urlaub genommen und sind damit durch ganz Thüringen gefahren“, erzählt Schnellhardt lachend. Auch bei der Flotten-Initiative ging es darum, offene Fragen zu beantworten und die Erkenntnisse in die Forschung einfließen zu lassen. Letzten Sommer ist ein Team von drei bis vier Experten mit einem Elektrofahrzeug, bei Innoman liebevoll „Flying Circus“ genannt, von Unternehmen zu Unternehmen gefahren und hat dort Rede und Antwort gestanden. Oft würden die Firmen gerne Elektroautos in ihren Fuhrpark integrieren, sind sich allerdings unsicher, wie sie Ladestationen an ihrem Standort aufbauen können, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt und ob die Reichweite der Autos überhaupt mit ihrem Vorhaben vereinbar ist. „Eigentlich die gleichen Fragen, die sich auch Privatpersonen stellen“, stellt Schnellhardt fest. Daher biete man den „Einsteiger Coach“ auch für Einzelpersonen an.
Cockpit eines Elektroautos

Ein anderes Fahrgefühl bringt das Elektroauto durch die direkte Rückkopplung von Gas geben und Ladestand mit sich

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Mobilitätskonzepte für die Zukunft
Die große Hürde beim Thema Elektromobilität stellen die vielen subjektiven Meinungen und Vorurteile fern jeder Expertise dar. „Das ist wie beim Fußball: Da gibt es in Deutschland auch 80 Millionen Bundestrainer“, meint Schnellhardt kopfschüttelnd. Es gebe viele Vorbehalte, die sich auch durch Beratung nicht abschütteln lassen. Der einzige Weg sei, Erfahrungen selbst zu machen – und die seien dann oft überraschend positiv, berichtet Schnellhardt. Er betont, beim Projekt eMobilityCity werde Elektromobilität nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Verbrennungsmotor gesehen. Man werde in Zukunft anders unterwegs sein, die Mobilität werde dem Zweck entsprechend organisiert und daher brauche es ein diversifiziertes Mobilitätskonzept, so ist Schnellhardt überzeugt.
Elektroauto Ladestation

Mit einem Knopfdruck zum intelligenten Laden

Elektroauto Ladestation

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Das ,e’ in der Stadt
Ein solches Mobilitätskonzept muss sowohl alltagstauglich als auch preiswert sein. Seit Januar 2017 wird in Kooperation mit den Stadtwerken Erfurt der netzdienliche Fahrstromtarif SWE Ecomobil angeboten, bei dem die Ladepunkte für Elektroautos mit 17 statt 27 Cent/kWh bespielt werden. Der Tarif wird durch Sperrzeiten sowie Hoch- und Niedertarifzeiten ermöglicht. Damit der Stromtarif auch effizient genutzt werden kann, hat die Firma HKW intelligente Wandladestationen entwickelt, die den Ladebedarf des Autos erkennen und das Aufladen dann starten, wenn es besonders preiswert ist.
Ein weiteres Projekt im Rahmen von eMobilityCity heißt eTelematik und beschäftigt sich mit dem Einsatz von Elektrofahrzeugen als kommunale Arbeitsfahrzeuge, beispielsweise als Kehrmaschinen. Diese Arbeitsgeräte benötigen extra viel Strom, um acht Stunden konstante Leistung zu bringen. Daher sind sie untereinander und via Zentrale vernetzt, um die Aufgaben und Arbeitsgebiete den Ladeständen entsprechend zu verteilen.
Das Team der INNOMAN GmbH

Das Team der INNOMAN GmbH mit Geschäftsführer Frank Schnellhardt (3. v. l.)

Das Team der INNOMAN GmbH

Das Team der INNOMAN GmbH mit Geschäftsführer Frank Schnellhardt (3. v. l.)

Vom E-Auto zum Smart Home
Ob es nun Projekte mit Kehrmaschinen sind oder es sich um Ladestationen handelt, zu Grunde liegen allen Lösungen die Erkenntnisse aus der Erprobungsphase. Deshalb fahren auch die Mitarbeiter von Innoman elektrisch. Jede Woche werden die zwei E-Autos innerhalb der Firma weitergegeben. So mancher Kollege habe sich schon für eine intelligente Ladebox entschieden, nachdem ihm seine Palme erfroren war, da er über Nacht das Auto per Kabel durch das geöffnete Fenster geladen hatte, berichtet Schnellhardt. Er ist überzeugt, dass die Lösungen der Elektromobilität auch in anderen Bereichen, beispielsweise im Smart Home, Anwendung finden werden. Die Projekte rund um eMobilityCity sind zunächst bis 2018 angedacht. „Wenn aber noch nicht alles läuft, wie wir uns das vorstellen, werden wir weitermachen“, bestätigt Schnellhardt.

13.03.2017

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