• Frauen im Gespräch

    "Was soll ich bloß anziehen?"

    Stilexpertin Elisabeth Motsch über Etikette und
    Kleidungsstil im Job

     
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Vorstellungsgespräch und wie schaffe ich es, den ersten Eindruck zu bestätigen

Stilexpertin Elisabeth Motsch gibt Tipps für das Bewerbungsgespräch und wie es gelingt, im Nachgang, den ersten Eindruck zu bestätigen.  
Frau Motsch, im Vorstellungsgespräch ist der erste Eindruck extrem entscheidend. Viele Bewerber haben davor einen großen Respekt. Welche Tipps haben Sie?
Es wird immer dazu geraten, sich nicht zu verstellen. Wenn Bewerber einen Dresscode tragen müssen, in dem sie sich nicht wohl fühlen, weil ungewohnt, ist es schwer sich authentisch zu geben. Wichtig ist, dass man sein Outfit schon mal mehrere Stunden eingetragen hat. Sie sollten von einem Stilkönner oder einem Stilexperten Feedback einholen, ob alles passt. Googeln Sie die wichtigsten Dresscode Regeln und achten Sie darauf, dass die Kleidung gut sitzt. Sie sollten sich nach dem Dresscode für diese Stelle beim Unternehmen erkundigen. Das kann durchaus auch bei der Sekretärin oder der Personalchefin sein. Auf der Homepage sieht man meistens schon, was dort gewünscht ist. Würde man sich jetzt für eine handwerkliche Stellung bewerben, geht man sich nicht im Anzug vorstellen. Da Personalchefs auch die Bereitschaft beurteilen, den Dresscode zu tragen, der gewünscht ist, so ist das ein Bonus, der nicht zu unterschätzen ist. Kaum ein Unternehmen macht sich im Nachhinein die Arbeit, hier noch Aufbauarbeit zu leisten, damit der Kleiderstil stimmig wird. Hat man genug Bewerber, nimmt man das beste Gesamtpaket.

Stefanie Rösch

Über die Autorin:

Stefanie Rösch arbeitet als Presse­referentin in der Unternehmens­kommunikation der SV. Sie ist der Meinung, dass die richtige Kleiderwahl in einem Bewerbungs­gespräch entscheidend ist, weil sie viel über den Menschen verrät. 

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Frauen im Gespräch

Beim Bewerbungsgespräch kann der Bewerber mit Umgangsformen und Kleidung punkten.

Was gibt es noch für Bewerber zu beachten?
Wichtig ist, dass Bewerber sich auch mit Umgangsformen bei Besprechungen auseinandersetzen. Alles was sicher macht, verursacht keinen Stress. Wer beispielsweise weiß, dass man sich in einem Besprechungsraum nicht hinsetzen darf, ohne dazu aufgefordert zu sein, weiß zu punkten. Die Aufforderung soll vom Gesprächspartner ausgehen und nicht von der Sekretärin, die einen ins Besprechungszimmer führt und einen Platz anbietet.
Oft ist es so, dass die volle Anstrengung auf einen Tag gelegt wird. Da wird alles bedacht und Tipps verschlungen. Ist der Tag rum, legt sich die Energie wieder. Wie schaffe ich es denn, den ersten Eindruck auch auf Dauer zu bestätigen?
Viele Firmen bedauern oft, dass Bewerber beim Vorstellungsgespräch besonders gut gekleidet sind. Dann ebbt das relativ schnell ab, wenn es keinen vorgegebenen Dresscode gibt. Das ist sehr schade. Den Kleiderstil, der erwartet wird und mit dem man sich auch gezeigt hat, sollte man beibehalten. Sonst hat man ein falsches Bild vermittelt. Wie komme ich zur Konstanz? Mit Disziplin und Ausdauer. Der Kleiderschrank muss so aufgebaut sein, dass für die gesamte Woche der vorherrschende Dresscode vorhanden ist. Den Unternehmen ist zu raten, dass sie einen festgelegten Dresscode schriftlich dem neuen Mitarbeiter überreichen. Dieser muss von der Unternehmensseite eingefordert werden und auch von der Stammmannschaft gelebt werden. Sonst bringt das nichts.

Persönlichkeit als Marke – Kleidung als Statement

In einer Serie beschäftigen wir uns mit dem Thema Kleidungsstil und Etikette. Im ersten Teil dreht sich alles um den ersten Eindruck und wie Kleidung diesen beeinflussen kann. Im zweiten Teil geben wir Tipps für das Bewerbungsgespräch und wie es gelingt, im Nachgang, den ersten Eindruck zu bestätigen. Der dritte Teil (erscheint im September) beschäftigt sich mit der Psychologie von Farben.  

Stilexpertin Elisabeth Motsch berät seit vielen Jahren große Firmen, aber auch Privatleute in Sachen Etikette und Kleidungsstil. Sie ist mehrfache Buchautorin und gefragte Gesprächspartnerin im Österreichischen Fernsehen. Auch für die SV ist Elisabeth Motsch seit vielen Jahren ein beliebter Coach. Sie kommt aus Österreich und lebt in der Nähe von Salzburg.

Frauen im Bewerbungsgespräch

Aufgepasst: Vor weißem Hintergrund kann man schnell farblos wirken! 

Man könnte ja meinen, Männer haben es bei ihrer Kleiderwahl im Job einfach. Anzug, Hemd, Krawatte und fertig. Wie bekommen Männer eine individuelle Note hin?
Das werde ich immer wieder gefragt. Auf der einen Seite ja, weil sie durch die offensichtliche Kombination Business-Anzug – Hemd – Krawatte klar festgelegt sind. Obwohl sie durch unvorteilhafte Schnitte, falsche Schuhe und Socken und einen unpassenden Muster-Mix von Hemd und Krawatte auch viel falsch machen können. Auf der anderen Seite haben sie etwas weniger Möglichkeiten, einen persönlichen Stil zu entwickeln.
Es bleiben den Herren der Schöpfung außer speziellen, edlen Materialien ihrer Anzüge fast nur das Einstecktuch und die Krawatte, um ein persönliches Mode-Alleinstellungsmerkmal zu haben. Hier erleben wir aus falsch verstandenen Kreativitätsgründen leider oft Unerfreuliches. Die Mode bietet in den letzten Jahren schon mehr Möglichkeiten, besonders was Farben betrifft. Nur sind manche Männer einfallslos und kombinieren teilweise Hinz und Kunz zusammen. Wer keinen Anzug tragen muss, kann mit einem gut geschnittenen Hemd und Hose, schönen Schuhen, einem passenden Gürtel und einem interessanten Farbenmix sehr gut aussehen.
Frau bei einer Stilberatung

Elisabeth Motsch: "Ich empfehle, sich bewusst zu machen, ob Kleidung ständig ein Thema sein soll oder der Fokus auf Kompetenzen gelenkt und das Outfit eine attraktive Nebensache sein sollte."

Frauenmode ist da zwar sehr vielfältiger, aber macht es nicht unbedingt einfacher. Individualität ist Frauen, denke ich, besonders wichtig. Was raten Sie Frauen?
Mit der Masse schwimmen oder unverwechselbar sein, das fragen sich viele Frauen. Der Wunsch nach Individualität ist verständlich. Individualität kann aber auch zum Zwang werden. Nämlich dann, wenn Gemeinsames für die Individualität geopfert und das Trennende wichtiger wird als das Verbindende. „Was Sie tun müssen, ist gegen den Strom schwimmen und Kanten zeigen“, sagen Ratgeber. Welche Frau will das und welche sieht sich lieber in adäquater Kleidung, um ihren Job gut zu verrichten? Weicht eine Frau zu sehr ab vom gängigen Kleidungsbild, braucht sie mehr Überzeugungskraft, um ihre Kompetenz unter Beweis zu stellen, hat mit Vorurteilen zu kämpfen, was Zeit und Kraft kostet. So manche Türe bleibt geschlossen, die sich mit dem richtigen Erscheinungsbild leichter und schneller öffnen ließe. Die Chance: Die Frau kann sich durch eindeutige Positionierung und Selbstdarstellung zur Marke machen. Entscheidend ist, welche Ziele die Frau erreichen will. Ich empfehle, sich bewusst zu machen, ob Kleidung ständig ein Thema sein soll oder der Fokus auf Kompetenzen gelenkt und das Outfit eine attraktive Nebensache sein sollte. Ich rate zu einem schicken Hosenanzug mit einer interessanten und nicht zu auffälligen Kragenlösung, ohne Hemdbluse sondern mit einem seidigen Shirt-Top und nicht zum Business-Einheitsbrei.
Frau Motsch, vielen Dank für das Gespräch.
Fotos: Photogenika München
09.02.2017

Bewerbungsgespräch: Das sollten Praktikanten beachten

Praktikanten sollen die gleichen Regeln beachten wie Bewerber für Festanstellungen. Personalverantwortliche drücken kein Auge zu, nur weil Sie sich als Praktikant bewerben. Achten Sie in diesem Fall genauso auf angemessenes Styling und Kleidung.

Unsere Bildergalerie mit vielen nützlichen Tipps für das Bewerbungsgespräch

  • Ketten auf dem Tisch

    Schmuck beeinflusst das Outfit stark. Bloß nicht übertreiben!

  • Brille auf dem Tisch

    Streng oder offen: Mit der Wahl des Brillengestells wandelt sich auch der Gesichtsausdruck.

  • Krawatte

    Die Farbpalette bei Krawatten ist groß. Die Farbwahl beeinflusst auch das Gegenüber!

  • Tuch liegt auf einem Stuhl

    Frauen können ihr Outfit mit Tüchern aufpeppen.

  • Edle Stoffe

    Edle Stoffe bei Anzügen schmeicheln nicht nur den Träger.

Bewerbungsgespräch: Darauf sollten Frauen achten

  • Verzichten Sie auf zu weibliche Reize. Eine dezente Bluse mit dezentem Ausschnitt entspricht dem Anlass. Tragen Sie keine knalligen Farben.
  • Mit einem Kostüm, Hosenanzug oder einer entsprechenden Kombination gelten Sie in der Regel in Banken, Versicherungen und Führungspositionen als gut angezogen.
  • In technischen Berufen sowie in der IT-Branche machen Sie mit Blazer und Bluse alles richtig. Ob Sie dazu Rock oder Hose tragen, ist Ihnen überlassen.
  • Wer sich für die Arbeit in der Forschung und Entwicklung oder in einem Werk bewirbt, benötigt keinen strengen Dresscode. Das gilt für alle Berufe, in denen die Kleidung im Alltag keine Rolle spielt, wenn Sie also nicht mit Kunden, Geschäftspartnern usw. in Kontakt kommen – in Führungs- oder repräsentativen Positionen selbstverständlich nicht.
  • Tragen Sie keinen Minirock!
  • Tragen Sie auch im Sommer Strümpfe, wenn Sie sich in einer Bank, einer Versicherung oder um eine Führungsposition bewerben.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Absätze nicht zu hoch sind.
  • Tragen Sie nur dezentes Make-up und ein unaufdringliches Parfum.
  • Tragen bzw. zeigen Sie keine Piercings oder Tattoos!

Bewerbungsgespräch: Das sollten Männer beachten

  • Mit einem Anzug liegen Sie in Banken, Versicherungen und Führungspositionen richtig. Tragen Sie ein frisch gebügeltes Hemd und eine frisch gebügelte Hose.
  • Die Krawatte darf farbig sein, wilde Muster oder Comics sind aber tabu. Achten Sie auf gedeckte Farben, z. B. grau oder anthrazit.
  • In technischen Berufen sowie in der IT-Branche machen Sie mit Sakko und Hemd nie etwas falsch.
  • Wer sich für die Arbeit in der Forschung und Entwicklung oder in einem Werk bewirbt, benötigt keinen strengen Dresscode. Das gilt für alle Berufe, in denen die Kleidung im Alltag keine Rolle spielt, wenn Sie also nicht mit Kunden, Geschäftspartnern usw. in Kontakt kommen – in Führungs- oder repräsentativen Positionen selbstverständlich nicht.
  • Gehen Sie nicht unrasiert zum Vorstellungsgespräch.
  • Entfernen Sie alle Piercings und Ohrringe.
  • Auch bei Männern gilt: keine sichtbaren Tattoos!

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