• Paar putzt Zähne

    Richtige Zahnhygiene

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Gesunde Zähne schützen den ganzen Körper

Zweimal täglich putzen, mehr Aufmerksamkeit schenken wir unseren Zähnen in der Regel nicht. Dabei sind gesunde Zähne attraktiv und schützen auch Herz, Arterien und Immunsystem. Zwar gibt es heute viele Möglichkeiten, verlorene Zähne zu ersetzen – etwa durch Brücken, Kronen oder Implantate. Doch mit unseren echten Zähnen kann es kein Ersatz der Welt aufnehmen. Ein Grund mehr, gut auf sie aufzupassen.

Der tägliche Griff zur Zahnbürste ist für die meisten Deutschen genauso selbstverständlich wie regelmäßige Besuche beim Zahnarzt. Trotzdem wissen viele eher wenig über Zähne und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. „Zahnprobleme werden oft mehr als ein ästhetisches Problem als ein gesundheitliches wahrgenommen. Dabei beeinflusst die Mundhygiene unseren gesamten Körper“, sagt Dr. Katrin Nickles, Oberärztin an der der Poliklinik für Parodontologie an der Universität Frankfurt am Main und niedergelassene Zahnärztin in Mannheim. So können kranke Zähne etwa Nacken-, Kopf- und Rückenschmerzen, Tinnitus oder Schwindel verursachen, weil die Nerven und Muskeln im Kiefer in Verbindung mit der Wirbelsäule stehen. Ärzte sprechen von einer kraniomandibulären Dysfunktion, wenn Fehlstellungen oder Zahnverlust Auswirkungen auf den ganzen Körper haben. 
Eine Studie zeigt, dass rund 60 Prozent der Deutschen auf Grundschulniveau Zähne putzen, wie sie es also als Kind gelernt haben. Dr. Angelika Brandl-Riedel, Vorsitzende des Deutschen Zahnärzteverbandes (DZV) kann diese Beobachtung aus ihrem Alltag bestätigen. „Die meisten Patienten putzen mit kreisenden Bewegungen und schieben die Bakterien so regelrecht unter den Zahnfleischrand, wo sie Entzündungen verursachen können“. Die beiden Expertinnen geben hier Tipps wie richtige Zahnhygiene funktioniert.

So geht richtige Zahnhygiene: Immer von Rot nach Weiß bürsten 

Gut geeignet ist für Erwachsene die sogenannte Bass-Technik. Dabei wird die Zahnbürste im 45-Grad-Winkel am Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch angesetzt. Kleine Wisch- und Rüttelbewegungen entfernen Beläge aus dieser Position nachweislich am effektivsten.

Dabei gilt die Faustregel von Rot nach Weiß, also vom Zahnfleisch weg. Außerdem neigen wir dazu, die sichtbaren Außenflächen gründlicher zu putzen als Innen- und Kauflächen. Noch einen Tipp: Wer unsicher ist, kann sich in der Apotheke Zahnfärbe-Tabletten besorgen, die Beläge sichtbar machen. Wer nach dem Putzen damit nichts mehr sieht, hat ordentlich geputzt.

Genauso obligatorisch wie die Zahnbürste sollten abends Zahnseide oder Zwischenraumbürsten sein. Es gibt schlicht keine andere Möglichkeit, die Zahnzwischenräume zu erreichen. Gerade dort aber entstehen oft unbemerkt Karies. Wenn dann beim herzhaften Biss in einen Apfel auf einmal der Zahn bröselt, ist es oft schon zu spät, ihn zu retten.

Im Gegensatz zu Zahnseide kann man sich Mundwasser übrigens getrost sparen. Müffelt es aus dem Mund, sind meist Bakterien die Ursache – da kann nur der Zahnarzt helfen. Mundwasser hingegen steht im Verdacht, Krebs in den oberen Luft- und Speisewegen zu begünstigen. Von daher gilt hier: lieber die Finger weglassen.

Die moderne Zahnmedizin kennt viele Methoden, Karies auch ohne Bohrer zu Leibe zu rücken. Mit Fluorid-Lacken und spezieller Zahnpflege lassen sich schädliche Bakterien oft lange Zeit neutralisieren. Wer früh zum Zahnarzt geht, hat daher gute Chancen, um das Bohren herumzukommen.

Egal welche Zahnpasta man letztlich aus der Tube drückt - zweimal täglich Putzen ist die wichtigste Säule der Zahnpflege. Vor allem abends ist das Putzen unerlässlich, weil der Speichelfluss nachts geringer ist und Bakterien deshalb leichtes Spiel haben.  

 

Vater und Sohn putzen Zähne

Auch Milchzähne müssen gut gepflegt werden. 

Das passiert, wenn ich nicht richtig Zähne putze

Parodontitis

Die rund 22 Millionen Bakterien in unserer Mundhöhle können zum Problem werden. Unter ihnen tummeln sich nämlich nicht nur nützliche, sondern auch schädliche Keime. Die Bakterien gelangen über das Zahnfleisch in den Blutkreislauf und so in den restlichen Körper. Forscher vermuten, dass Parodontitis mit einer ganzen Reihe von Krankheiten in Verbindung steht: Schlaganfälle, Gefäßverkalkung, Herzinfarkte, Rheumatoide Arthritis, Lungenerkrankungen, Immunschwäche und sogar Krebs. Wer häufig blutendes oder schmerzendes Zahnfleisch hat, sollte das mit einem Zahnarzt abklären. Je früher eine Parodontitis behandelt wird, desto besser. Rund zehn Prozent der Deutschen, also rund acht Millionen Menschen, haben eine behandlungsbedürftige Parodontitis. 

Karies

Etwas ruhiger geworden ist es um die löcherfressende Karies. Das liegt an einer besseren Aufklärung und Versorgung mit Fluorid. Der Stoff härtet den Zahnschmelz und erschwert es schädlichen Bakterien so, sich darauf zu vermehren. Weil Fluorid heute nicht nur in den meisten Zahnpasten, sondern auch in vielen Lebensmitteln steckt, sind wir damit eher über- als unterversorgt. Für Erwachsene ist deshalb eine Zahnpasta mit Hydroxylapatit eine gute Alternative. Das ist eine zahnschmelzähnliche Substanz, die ebenso vor Karies schützt und zudem bei empfindlichen Zähnen hilft.

So werden die Zähne noch schöner

 Zahnreinigung und Bleaching

Die gesündeste Option ist die professionelle Zahnreinigung (PZR). Dabei werden Verfärbungen durch Tee, Kaffee oder Wein entfernt und die Zähne natürlich aufgehellt. Außerdem werden die Zwischenräume gereinigt, Zahnstein entfernt und die Patienten bekommen ein Gefühl für richtig saubere Zähne – das hilft auch beim Putzen. Ob im Rahmen einer Therapie oder zur Prävention, ab und zu sollte sich jeder eine solche Generalreinigung gönnen. Bei gesunden Zähnen ist eine PZR mindestens einmal im Jahr, bei Parodontitis je nach Schweregrad zwei- bis sogar viermal jährlich zu empfehlen.
Vorsichtig sollte man hingegen mit Bleachings sein. Der aufhellende Effekt hält zwar ein paar Monate bis Jahre, stellt aber eine Belastung für die Zähne dar. Es eignet daher nur bei sehr gesunden Zähnen. Außerdem sollte der Farbton nicht zu hell gewählt werden. Leider übertreiben es manche damit, denn meist passt die Farbe des Zahnschmelzes zu unserem Typ, den Augen und den Haaren.

Gesunde Ernährung und Zahngymnastik

Neben der Pflege ist die Ernährung der wichtigste Baustein für ein gesundes Gebiss. Dass Zucker den Zahnschmelz angreift, ist nichts Neues. Was viele jedoch nicht wissen: Zähne sind keine tote Substanz, sondern werden zeitlebens von innen wie außen ernährt. Deshalb mögen sie mineral- und vitaminreiches Essen wie Obst, Gemüse und Vollkorn. Am wichtigsten ist Kalzium, das vor allem in Milchprodukten und Gemüse wie Brokkoli, Grünkohl und Spinat steckt. Wer das Naschen trotzdem nicht lassen kann, sollte folgenden Grundsatz beherzigen: Lieber einmal richtig reinhauen statt ständig kleine Portionen zu naschen. Mit einem großen Zuckerangriff kommen die Zähne besser klar als mit vielen kleinen Attacken über einen längeren Zeitraum.
Genauso wichtig wie die Art der Nahrung ist übrigens ihre Konsistenz: Die Zähne hängen an straffen Bindegewebsfäden. Diese muss man trainieren, indem man Zug auf die Zähne ausübt. Empfehlenswert ist das Kauen von Äpfeln oder Brot. Das ist dann wie Zahngymnastik.

Überraschendes über die Zähne

Schlechte Zähne waren gottgegebenes Schicksal

Ötzi hatte nicht gut lachen. Der Gletschermann litt unter massiver Karies, Parodontitis und einem abgestorbenen Frontzahn. Offenbar schlug er sich vor über 5000 Jahren mit ähnlichen Krankheiten herum wie wir heute. Mit dem Unterschied, dass Zahnpflege zu seiner Zeit noch kein Thema war: Die älteste Zahnbürste Europas stammt erst aus dem Jahre 1750. Davor galten schlechte Zähne nicht als Zeichen mangelhafter Pflege, sondern als gottgegebenes Schicksal.

Zahnschmelz ist härter als unsere Knochen

Ein bisschen putzen hier, ein wenig Zahnseide da. Das ist nicht viel Aufwand, wenn man bedenkt, was unsere Zähne alles leisten: 20 Tonnen Nahrung zerkleinern sie im Laufe von 50 Jahren und halten dabei Belastungen von bis zu 80 Kilogramm stand. Zahnschmelz ist die härteste Substanz unseres Körpers, selbst Knochen können da nicht mithalten. Im Alter verlieren sie zwar etwas an Substanz – doch „alt und zahnlos“ werden heute die wenigsten. Bei guter Pflege können Zähne durchaus ein Leben lang halten.

Zähne sind wichtig für die Artikulation

Unsere Zähne zerkleinern nicht nur zuverlässig Nahrung, sondern sind auch an der Artikulation von Sprache beteiligt. Außerdem spielen sie eine wichtige Rolle für die Ästhetik. Nichts verzaubert uns so sehr wie ein strahlendes Lächeln. Studien belegen, dass schöne Zähne vielen Menschen als Erstes auffallen und sogar wichtiger sind als Augen, Frisur oder Figur. Kein Wunder, dass sich jeder strahlend weiße und gerade Zähne wünscht.
11.11.2020
 
Über die Autorin:
Anita Hedtke arbeitet als Fach-Texterin bei der Union Krankenversicherung AG und ist zuständig für die Kommunikation rund um die Kranken- und Pflegeversicherungen. 
 
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