Kunstwerk aus der Ausstellung
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Mut und Zivilcourage - eine Gesellschaft im Wandel

Was wäre eine Gesellschaft ohne Mut? Vermutlich würde sie komplett stagnieren. Niemand würde sich auf zu fremden Kontinenten machen, würde forschen und Brücken zwischen Ländern, Kulturen und Menschen schlagen. 

Und was wäre der einzelne Mensch ohne Mut? Niemals würde er sich einer neuen Liebe, einem neuen Lebensabschnitt öffnen. Niemand würde die Arbeitsstelle wechseln oder endlich den lieblosen Partner verlassen.
Mut bedeutet, zu vertrauen
Demnach bedeutet Mut ein unbekanntes Wagnis bewusst einzugehen, sich dem Leben vertrauensvoll zuzuwenden und den Neubeginn zu wagen. Mut bedeutet jedoch nicht angstfrei zu sein, sondern eben gerade trotz Angst etwas zu wagen. Seinem Gefühl und der Intuition zu trauen, ohne zu wissen, was dabei herauskommt: Der Sprung vom Fünfmeterturm ins Wasser, sich trauen, die schöne Brünette von nebenan anzusprechen, aber auch die Schimpftirade des Kollegen oder Chefs nicht länger ungefragt mitzumachen.
Mut ist der Motor, Angst die Bremse
Der Mutige nutzt also seine Angst, um das Risiko abzuwägen, nimmt sie als Komponente im verantwortbaren Wagemut. Es ist ein Abwägen, Mut und Angst ergänzen sich. Mut ist sozusagen der Motor, die Angst die Bremse. Mut kann in Handlung oder Handlungsverweigerung münden. Mit ihm kann ich mich gegen Widerstände und Gefahren durchsetzen. Das erfordert Wertebewusstsein, eigenständiges Denken, charakterliche Stärke und Durchsetzungsvermögen.

Über die Autorin:

Andrea Lee-Ott ist Pressereferentin und Social Media Managerin bei der SV. Gesellschaftliche Themen fand sie immer spannend. Sie über Kunst und Sport Jugendlichen näher zu bringen, hält sie für einen guten Weg. 

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Mut ist Schlüsselqualifikation für eine lebenswerte Gesellschaft

Mut ist Schlüsselqualifikation für eine lebenswerte Gesellschaft

Zivilcourage verknüpft Mut mit Werten
Manchmal gehören auch Mut und Abgrenzung zusammen. Wer bin ich? Was macht mich aus? Was ist mein Wertekanon, für den ich eintrete, den ich richtig finde und von dem alle Menschen profitieren können? Weil er mir für alle Menschen reich und gerecht vorkommt. Zivilcourage bezeichnet den Mut, sich für Gerechtigkeit und soziale Normen, für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft einzusetzen. Es geht um Menschenwürde sowie den Schutz von Menschenrechten. Zivilcourage setzt Menschen mit Persönlichkeit und Selbstbestimmtheit voraus, ist gelebte Menschlichkeit. Nicht zulassen, dass Unrecht geschieht, dass Menschen in ihrer Würde verletzt werden wegen ihres Aussehens, ihrer Religion, ihres sozialen Status oder ihrer Hautfarbe.
Das fängt häufig schon im Kleinen an: Der Chef, der Witze auf Kosten seiner Untergebenen macht, der Lehrer, der einen Schüler vor versammelter Klasse runtermacht, die Clique, die einen Außenseiter genüsslich hänselt, der Gesprächspartner, der Ausländer pauschal und ungebremst diffamiert. Das ist die Bühne für alltägliche Zivilcourage.
Menschen sind zutiefst soziale Wesen
Menschen nämlich sind zutiefst soziale Wesen. Im Zeitalter der sozialen Medien vergisst man das gerne. Wer morgens mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fährt, sieht meist tief in ihr Smartphone versunkene Mitfahrer, die einen keines Blickes würdigen. Durch die Ablenkung von der Außenwelt mit Social Media könnte man annehmen, der Mensch genüge sich alleine, kümmere sich nicht um andere. Doch das tiefe Bedürfnis nach Zugehörigkeit geht dadurch nicht verloren. Es ist nur nicht mehr so augenscheinlich. Und weil Menschen zutiefst soziale Wesen sind, stehen sie auch füreinander ein, helfen einander, freuen sich miteinander. Mut und Zivilcourage ist eigentlich nichts anderes als füreinander einstehen.
Wanderausstellung mit Kunstbildern und Mitmachstationen
Doch woher kommt es dann, wie oft behauptet wird, dass Menschen nicht mehr füreinander einstehen? Die in unserer Gesellschaft hoch gepriesene Individualität hat häufig zur Folge, dass Menschen isoliert und anonym leben. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe fehlt. Diese Zugehörigkeit und die dort gelebten, gemeinsam entwickelten Werte veranlassen uns, diese zu verteidigen. Können wir etwas tun, um diese wichtigen Schlüsselfaktoren in unserer Gesellschaft neu zu verankern und aufrecht zu erhalten? Wir finden ja. Weil uns, der SV SparkassenVersicherung, dieses gesellschaftliche Thema am Herzen liegt, unterstützen wir die Arbeit des Vereins Flying Heart United e.V. Dieser hat eine Wanderausstellung konzipiert, die Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen den Wert Zivilcourage vermitteln und zu mehr Zivilcourage auffordern soll. Umgesetzt ist diese Kunstausstellung von international bekannten Illustratoren, die die fünf Positionen beim Handballsport sinnbildlich auf die Gesellschaft übertragen haben. Die Ausstellung ist pädagogisch konzipiert. Der Besucher wird über Mitmachsituationen in Entschlussfreude versetzt. Er soll wohlüberlegtes Handeln mit Power, Entschlossenheit und zielgerichtetem Vorgehen erleben.
Bei der SV am Standort Stuttgart war Premiere der Ausstellung, die dort bis zum 30. Juni 2017 zu sehen war. Sie wird nun weiter wandern. Die Termine für weitere Ausstellungen geben wir bekannt, sobald sie feststehen. Die Künstler, den Verein und seinen Initiator Markus Schüle stellen wir Ihnen in einem nachfolgenden Artikel vor. Erfahren Sie, wie das Projekt sein Leben veränderte und was den ehemaligen Handballspieler antreibt, um dafür selbst finanzielle Risiken in Kauf zu nehmen. Über das Projekt sagt er selbst, er sei dadurch persönlich über sich selbst hinausgewachsen.

31.07.2017

Zivilcourage leben - sechs Punkte sind Programm

Reinhold Hepp, Vizepräsident und Leiter des Führungs- und Einsatzstabes der Polizei Ulm, und Dr. Roland Bertet, Rektor der Philipp-Matthäus-Hahn Gemeinschaftsschule, Kornwestheim, haben im Rahmen einer Handreichung für die schulische und außerschulische Jugendarbeit zusammen mit der Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention (DFK), Bonn, zum Thema Rechtsextremismus Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die Handreichung "VorBILDER" des DFK wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Innern von der Soziologin Antje Gansewig entwickelt.

Hier ein Auszug ihrer sechs wichtigen Punkte für Zivilcourage:

Grundsatz: Jeder kann im Rahmen seiner Möglichkeiten helfen und zivilcouragiert handeln. Wichtig ist, helfen, ohne sich selbst in Gefahr zu bringen!

1. Gefahrlos handeln!
Manchmal hilft schon ein lautes Wort oder eine kleine Geste, um Täter einzuschüchtern und von ihrem Vorhaben abzubringen. Mitstreiter suchen, Polizei umgehend verständigen.

2. Mithilfe fordern!
Nicht warten, sondern sofort handeln und umstehende Personen gezielt auf den Vorfall ansprechen. Einer direkten Ansprache entziehen sich Menschen nicht so schnell: Andere aktiv und direkt zur Mithilfe auffordern!

3. Genau hinsehen!
Jedes Detail einprägen: Was passiert? Wie sehen die Täter aus? Welche Sprache sprechen sie? Täter aufmerksam beobachten und Tätermerkmale einprägen!

4. Hilfe holen!
Jede Sekunde zählt. Bei einem Notruf der Polizei das Geschehen in wenigen Worten, aber dennoch umfassend schildern („Wer?”, „Was?”, „Wo?”, „Wann?”).Hilfe organisieren unter Notruf 110!

5. Opfer versorgen!
Erste Hilfe ist die beste Hilfe. Jedes Opfer unverzüglich versorgen. Jede Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden. Rettungsdienst rufen, um Opfer kümmern!

6. Als Zeuge mithelfen!
Viele Täter kommen ohne Strafe davon, weil sich Zeugen nicht bei der Polizei melden. Jede Aussage ist für die Aufklärung einer Straftat und zur Ergreifung eines Täters hilfreich: Sich als Zeuge zur Verfügung stellen!

Bei Vorfällen mit Gewaltanwendung und mehreren Tätern besonders vorsichtig sein. Besser immer zuerst die Polizei verständigen, Hilfe holen, möglichst nichtalleine eingreifen! Auf der Website www.mach-den-unterschied.de gibt es ein Online-Training für Zivilcourage. Hier können Nutzer praktisch üben, wie man reagieren kann, wenn man im Alltag mit Diskriminierung, Rassismus oder Rechtsextremismus konfrontiert wird. Oberstes Motto: Alles ist besser als Wegschauen und Nichtstun. Sich einmischen, Position beziehen, macht den Unterschied.

(Deutsches Forum für Kriminalprävention (2015): „VorBILDER“. Handreichung für die schulische und außerschulische Jugendarbeit. Bundesministerium des Innern (Hrsg.))  

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