Kind beim Eier sammeln mit Huhn
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Zu Besuch auf einem Mehrgenerationen-Hof

Familie Zimmermann lebt mit drei Generationen auf ihrem Bauernhof in Renningen – für die Kleinen ein Outdoor-Paradies, für die Großen viel Arbeit. Die Zimmermanns bilden den Start einer fünfteiligen Serie, in der wir verschiedene Familienmodelle - von Großfamilie bis zur Regenbogenfamilie - vorstellen. Wir zeigen, wie es in Deutschland Familien schaffen, ihr Familienleben und den Beruf zu vereinen.     
In ihrer Klasse ist die achtjährige Theresa eindeutig die mit den meisten Tieren: Neben ihrem Liebling, Pony Willy, leben auf dem Hof ihrer Familie in Renningen noch Esel Charly, Mischlingshund Emil, drei Ziegen und fünf Hasen sowie jede Menge Hühner und Schweine. Die Freunde von Theresa und ihren Brüdern Manuel (6) und Benedikt (3) besuchen die drei gern zu Hause. „Wir haben die größte Spielwiese, die es gibt“, sagt Vater Christian Zimmermann. In den Ferien können sich die Kinder den ganzen Tag mit den Tieren beschäftigen oder auf dem Schlepper mitfahren.

Autorin:
Ulrike Wronski

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Frau beim Einräumen in Hofladen

Gabi Zimmermann räumt den Hofladen ein. Hier gibt es Produkte von Bauern aus der Region.

Frau beim Einräumen in Hofladen

Gabi Zimmermann räumt den Hofladen ein. Hier gibt es Produkte von Bauern aus der Region.

Der Tag beginnt für alle früh
Für die jüngsten Zimmermanns ist der Hof ein riesiger Outdoor-Spielplatz, für ihre Eltern und Großeltern bedeutet er jede Menge Arbeit, aber auch ein Vermächtnis für nachfolgende Generationen: Sie bewirtschaften das Land möglichst nachhaltig, betreiben einen Laden mit Brot, Eiern und Fleischwaren aus eigener Herstellung und richten Feste in einem Gastraum aus. Vor acht Jahren übernahmen Christian Zimmermann und seine Frau Gabi den Hof von seinen Eltern. Die Senioren zogen in die kleinere Wohnung, den so genannten Altenteil, gingen aber keineswegs in den Ruhestand. Otto Zimmermann hilft beim Tierfutterhandel seines Sohnes und der Feldarbeit. Seine Frau Elsbeth steht morgens um 5 Uhr auf und backt das Brot für den Hofladen.
Familie mit Traktor

Familie Zimmermann: Die Senioren Otto und Elsbeth, Betriebsleiter Gabi und Christian mit den Kindern Benedikt (3), Manuel (6) und Theresa (8).

Familie mit Traktor

Familie Zimmermann: Die Senioren Otto und Elsbeth, Betriebsleiter Gabi und Christian mit den Kindern Benedikt (3), Manuel (6) und Theresa (8).

Das junge Bauernpaar muss ebenfalls früh raus, die Regale im Laden befüllen, bevor es mit den Kindern frühstückt. Auch sonst gibt das Geschäft den Rhythmus vor: Ist die Oma in der Backstube fertig, kocht sie jeden zweiten Tag für die ganze Familie. Die findet sich abwechselnd im elterlichen oder großelterlichen Haushalt zum Essen ein, sobald der Laden für die Mittagspause geschlossen ist. Die beiden Großen kommen allein aus der Schule, Gabi oder Christian Zimmermann holen Benedikt vom Kindergarten ab. Nachmittags kümmern sich beide abwechselnd um die Kinder. „Wenn wir Glück haben und sie sich alleine beschäftigen, können wir noch was anderes erledigen.“ Auch wenn Gabi Zimmermann für die nächste Feier in der Hofstube kocht, ist Christian Zimmermann für die Kinder da. „Ich finde es wichtig, dass man sich als Vater nicht nur auf den Beruf konzentriert“, sagt er. Gibt es eine Vorführung in der Schule oder der Kita, versuchen beide Eltern, dabei zu sein.
Bauer beim Schweinestall misten

Christian Zimmermann versorgt die Schweine ohne Antibiotika und gentechnisch verändertes Futter.

Bauer beim Schweinestall misten

Christian Zimmermann versorgt die Schweine ohne Antibiotika und gentechnisch verändertes Futter.

An sechs Wochen Urlaub ist nicht zu denken
Die jungen Zimmermanns arbeiten mehr als 40 Stunden pro Woche, und leisten sich weit weniger als sechs Wochen Urlaub. „Die Entscheidungsfreiheit wiegt das für uns aber allemal auf“, sagt Gabi Zimmermann, die selbst auf einem Bauernhof groß geworden ist. Es sei ein Geschenk, dass sie ihr Tun völlig frei gestalten können und kein anderer die Richtung vorgibt. So entschieden sie sich nach der Übernahme des Hofes dafür, auf Chemie im Acker- und Gemüsebau zu verzichten, die Zahl der Tiere zu reduzieren und weder Antibiotika noch gentechnisch verändertes Futter zu verwenden. Auch sonst versuchen sie, umweltbewusst zu leben: Kurze Strecken legen sie mit dem Lastenfahrrad statt mit dem Auto zurück.
Drei Kinder mit Hase

Theresa, Benedikt und Manuel mit einem ihrer Hasen. Für die Geschwister ist der Hof ein großer Spielplatz.

Drei Kinder mit Hase

Theresa, Benedikt und Manuel mit einem ihrer Hasen. Für die Geschwister ist der Hof ein großer Spielplatz.

Wenn die Kinder wollen, dürfen sie mit einsteigen
Die Zimmermanns, die sich beim Studium der Agrarwissenschaft kennengelernt haben, sind inzwischen selbst Chefs. Sie beschäftigen mehrere Mitarbeiter, weil sie und die Senioren längst nicht alles alleine schaffen, aber auch weil sie wissen, dass sie jederzeit ausfallen könnten. „Wir müssen in allen Bereichen des Hofes ersetzbar sein.“ Dass es irgendwann ihre Kinder sind, die sie auf dem Hof ersetzen, „die Hoffnung haben wir schon“, sagt Gabi Zimmermann. „Wir leben ihnen vor, was wir tun, macht Spaß, auch wenn es arbeitsintensiv ist.“ Um sie regelmäßig in den Hofbetrieb einzubinden, seien die Kinder noch zu klein. Mal Eier holen, ja, aber mehr gehe noch nicht. „Später wäre das aber schon wünschenswert“, sagt ihr Mann. Für die Erdung. Und damit er am Sonntagmorgen den Stalldienst abtreten kann, wenn er am Vorabend in der Hofstube eine Veranstaltung betreut hat.
Selbst sonntags könnten die Eltern noch Tauffeiern ausrichten, die Nachfrage ist da, doch dieser eine Tag bleibt frei für die Familie. „Die Zeit ist uns zu wertvoll, um da auch noch zu arbeiten“, sagt der Vater. Genauso wertvoll: der zweiwöchige Urlaub in den Sommerferien. Endlich mal was anderes sehen als Schweine, Hühner und Ponys? Christian Zimmermann lacht: „Nein, wir fahren öfters auf andere Bauernhöfe!“ Dort könnten sich die Kinder frei bewegen, und sie selbst könnten gucken, was andere Landwirte so machen. „Meistens kommen wir mit vielen neuen Ideen zurück.“

02.01.2017

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