Junge Frau bei Büroarbeit
Junge Frau bei Büroarbeit
Junge Frau bei Büroarbeit

„Wir regen uns nicht wegen Kleinigkeiten auf“

Die Unternehmer Andrea und Axel Reichle aus Leonberg haben sieben Kinder. Ob in der Firma, beim Umzug oder im Haushalt – jeder packt mit an. Die Reichles sind Teil einer fünfteiligen Serie, in der wir verschiedene Familienmodelle - von Großfamilie bis zur Regenbogenfamilie - vorstellen. Wir zeigen, wie es in Deutschland Familien schaffen, ihr Familienleben und den Beruf zu vereinen.   
"Eigentlich wollte ich gar keine Kinder, aber dann dachte ich, im Alter allein sein, ist auch nicht schön.“ Jetzt ist Andrea Reichle so gut wie nie allein. Sie und ihr Mann Axel haben drei Söhne und vier Töchter. Sebastian, mit 20 Jahren der Älteste, studiert in Stuttgart. Die Jüngste, die siebenjährige Nathalie, hat gerade erst mit der Schule angefangen. Die Reichles sind in Leonberg zu Hause. Am Rand des Ortsteils Warmbronn betreiben Andrea und Axel Reichle einen Autohandel.
Die Kinder sind es gewohnt, im Familienunternehmen anzupacken. Sebastian jobbte nach dem Abitur ein Jahr in der Firma, während er auf seinen Studienplatz wartete. Seine Brüder Florian (18) und Julian (14) gehen wie alle übrigen Geschwister noch zur Schule, helfen aber auch mal bei der Autowäsche oder dem Reifenwechsel. Die 17-jährige Franziska unterstützt hin und wieder im Büro. Ob eines der Kinder das Geschäft übernehmen soll? „Das erwarten wir nicht“, sagt Axel Reichle. Doch darauf, dass Sebastian dasselbe studiert wie einst er und seine Frau, ist er schon stolz: Betriebswirtschaftslehre mit Technikschwerpunkt. Die Reichles gründeten nach dem Studium ihre erste Firma, vor mehr als zehn Jahren spezialisierten sie sich auf den Import von EU-Fahrzeugen. Andrea Reichle kümmert sich um die Kundenberatung und den Verkauf, während ihr Mann die Importe organisiert. Beide arbeiten Vollzeit.
Die Älteren passen auf die Jüngeren auf
Im Haushalt der Reichles hat jedes der Kinder seine Aufgaben. Mittags kochen für die ganze Familie? Für Franziska keine große Sache. Die Jüngeren fegen die Treppe oder putzen die Waschbecken. Andrea Reichle erinnert sich: „Als unser ältestes Kind einige Tage alt war, sagte mein Mann zu mir: "Fünf Kinder erziehen sich doch gegenseitig." So wuchs die Familie weiter, und Axel Reichle behielt recht: Nachmittags passen die Älteren auf die Jüngeren auf. Wenn eines der kleinen Mädchen Hilfe braucht, dann stehen gleich drei große Brüder und eine ältere Schwester zur Auswahl.
Zwischendurch fliegen natürlich die Fetzen. Mit einem Seitenblick auf seine Sprösslinge sagt der Vater: „Damit es weniger Streit gibt, haben wir gerade erst eine neue Regel eingeführt, nach der jedes Kind dem Nächstjüngeren was sagen darf. Mal gucken, ob das klappt.“ Ob zum Streiten oder zum Spielen – es findet sich immer jemand in einer so großen Familie, der mitmacht. Die elfjährige Valeska weiß schon jetzt, dass sie später nicht nur ein Kind haben möchte: „Dem ist doch sonst langweilig.“
Zu viert fühlen sie sich einsam
Die Reichles sind Großfamilie in erster Generation: Andrea Reichle wuchs als Einzelkind auf, ihr Mann mit einer Schwester. Jetzt fühlen sich die Eltern schon einsam, wenn sie ausnahmsweise mal nur zu viert zu Hause sind. „Wenn eines der Kinder nicht da ist, fehlt es mir sehr“, sagt ihre Mutter. Mit dem Gefühl müssen sich die Eltern langsam anfreunden. Sebastian ist bereits ausgezogen, Florian auch nur selten da. Er rast mit seinem Mountainbike die Berge runter, trainiert im Leistungskader. Vergangene Saison fuhr er für sein Team einen Bundesliga-Sieg ein.
Bloß nicht abhängen lassen
Auch der Vater und die älteren Geschwister sind viel mit dem Rad unterwegs. Im Urlaub in den Alpen machen sie zu zweit oder dritt Tagestouren. „Ein gemeinsames Hobby bringt viel für den Familienzusammenhalt“, sagt Axel Reichle, der selbst im Verein Mountainbike fährt. Manchmal stachelt es aber auch zum interfamiliären Wettbewerb an: „Ich habe eine Woche extra viel trainiert, damit Florian mich bei unserer gemeinsamen Tour nicht gleich abhängt.“ So sei er nur wenige Minuten nach ihm oben am Berg angekommen. „Das war in Ordnung.“
Im Alltag versuchen die Reichles indes, die Messlatte nicht zu hoch zu hängen. „Wir regen uns nicht wegen Kleinigkeiten auf, sondern sehen vieles entspannt“, sagt Andrea Reichle. Und man müsse seine Ressourcen einteilen. „Wir können nicht auf jeden Elternabend gehen. Da machen wir Abstriche und besorgen uns die Informationen auf anderem Weg.“
Umzug mit dem Familienbus
Gerade managen Andrea und Axel Reichle den Umzug ihrer Familie. Sie ziehen vom Warmbronner Ortskern an den Rand von Leonberg in ein größeres Haus. Die Kinder freuen sich, denn endlich bekommt jedes ein eigenes Zimmer. Noch teilen sich die drei jüngsten Mädchen einen Raum, und auch Florian und Julian haben bislang keinen Rückzugsort für sich allein. Dass die Reichles den Umzug mit ihrem Kleinbus und den familieneigenen Helfern stemmen, versteht sich von selbst.
In unserem nächsten Beitrag berichten wir über Familie Krieg aus Leinfelden-Echterdingen. Das Porträt der jungen Familie erscheint am 24. Januar 2017.

17.01.2017
Männer begutachten Auto

Axel Reichle und seine Söhne Florian und Sebastian (v. l. n. r.) begutachten ein Auto.

Männer begutachten Auto

Axel Reichle und seine Söhne Florian und Sebastian (v. l. n. r.) begutachten ein Auto.

Großfamilie beim Umzug

Umzug in ein größeres Haus: ganz hinten Florian, Sebastian und Vater Axel, Mutter Andrea und Julian in der Mitte und vorne die Töchter Franziska, Katharina, Nathalie und Valeska (v. l. n. r.).

Großfamilie beim Umzug

Umzug in ein größeres Haus: ganz hinten Florian, Sebastian und Vater Axel, Mutter Andrea und Julian in der Mitte und vorne die Töchter Franziska, Katharina, Nathalie und Valeska (v. l. n. r.).

Drei Kinder beim Roller fahren

Die drei Jüngsten: Valeska, Nathalie und Katharina (v. l. n. r.) rollern um die Wette.

Drei Kinder beim Roller fahren

Die drei Jüngsten: Valeska, Nathalie und Katharina (v. l. n. r.) rollern um die Wette.

Vater und Mutter mit Telefon am Esstisch

Axel und Andrea Reichle managen die Firma manchmal vom Küchentisch aus.

Vater und Mutter mit Telefon am Esstisch

Axel und Andrea Reichle managen die Firma manchmal vom Küchentisch aus.

Autorin:
Ulrike Wronski

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Das könnte Sie auch interessieren...

Ohne Familienkalender geht´s nicht

Wie soll man nur Arbeit, Schule und Freizeit unter einen Hut bekommen? Familie Krieg erzählt, wie gute Organisation hilft, den turbulenten Alltag zu bestehen.

Mehr zum Thema berufstätige Eltern

Mama, Mami und zwei Kinder

Zu Besuch bei einer Regenbogenfamilie, in der sich beide Mütter eng abstimmen, um Kinder und Praxis unter einen Hut zu bekommen.

Mehr zur Regenbogenfamilie

Der Mehr-Generationen-Hof

Familie Zimmermann lebt mit drei Generationen auf ihrem Bauernhof in Renningen – für die Kleinen ein Outdoor-Paradies, für die Großen viel Arbeit.

Mehr zum Thema Familien