Junge Frau am Schreibtisch
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„Diese Zeit hat uns zusammengeschweißt“

Die Mamodalys aus Mannheim waren ständig in Bewegung: Erst spielte Sohn Tony Fußball für die TSG 1899 Hoffenheim, dann musste Tochter Tina mehrmals pro Woche zum Fußballtraining nach Frankfurt. Langsam wird es ruhiger. Die Mamodalys sind Teil einer fünfteiligen Serie, in der wir verschiedene Familienmodelle - von Großfamilie bis zur Regenbogenfamilie - vorstellen. Wir zeigen, wie es in Deutschland Familien schaffen, ihr Familienleben und den Beruf zu vereinen.  
Nach der Schule ab zum Fußballtraining. An vier Nachmittagen pro Woche fuhren Tina Mamodaly und ihre Mutter Martina die 80 Kilometer von Mannheim nach Frankfurt und wieder zurück. Sechs bis sieben Stunden dauerte das jeweils. Ein Jahr lang. „Die Fahrerei war schon sehr anstrengend, aber die Zeit hat uns auch zusammengeschweißt“, sagt die Mutter rückblickend. Tina machte unterwegs Schularbeiten, und während sie im Stadion der Eintracht für die Bundesliga trainierte, benotete ihre Mutter Klassenarbeiten auf dem Parkplatz. Deutsch, Geschichte und Französisch unterrichtet sie – da gab es viel zu korrigieren.
Mit Sportstipendium in die USA
Inzwischen spielt Tina im nahegelegenen Viernheim in der vierten Liga. Fahrdienste sind nicht mehr nötig. Sie lernt gerade fürs Abitur und will danach mit einem Sportstipendium in den USA studieren. Ihr Bruder Tony (26) hat es vorgemacht: Seit vier Jahren lebt er in Miami. Sein Examen in Sportmarketing steht kurz bevor. Tina möchte an derselben Uni Psychologie studieren oder, wenn es für sie im Abi sehr gut läuft, an der bekannteren University of Miami einen Platz bekommen. Auch bei ihr soll das Sporttalent dafür sorgen, dass sie keine Studiengebühren zahlen muss. Im Hochschulteam werden gute Fußballerinnen gebraucht. Jetzt heißt es Englisch büffeln und im Fitnessstudio trainieren. Tony gibt seiner kleinen Schwester Tipps via Skype.

Autorin:
Ulrike Wronski

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

Familie vor dem Laptop

Mehrmals pro Woche skypen Tina, Martina und Dany Mamodaly (v. l. n. r.) mit Tony in Miami.

Familie vor dem Laptop

Mehrmals pro Woche skypen Tina, Martina und Dany Mamodaly (v. l. n. r.) mit Tony in Miami.

Training unter der Woche, Spiele am Wochenende
Als Tony mit 15 bei der TSG 1899 Hoffenheim anfing, begann der Fahrdienst. Fußballtraining unter der Woche, Spiele am Wochenende. Tony begnügte sich nicht mit einer Ballsportart, sondern startete auch beim Handball durch: Mit 17 bestritt er Länderspiele für die deutsche Junioren-Nationalmannschaft. Kaum war Tony volljährig und konnte allein zum Training fahren, begann Tina ihre Sportlerkarriere. Die Tochter weiß, dass eine Unterstützung, wie sie sie von ihren Eltern bekommt, „nicht selbstverständlich ist“.
Das Sporttalent haben die beiden Kinder von ihrem Vater Dany Mamodaly. Der Madagasse spielte für die Fußball- und Volleyball-Nationalmannschaften seines Heimatlandes, später kickte er in Frankreich. Seiner künftigen Frau begegnete er in Montpellier. Dort trainierte Dany Mamodaly nach dem Ende seiner Profizeit Studenten in Freizeitkursen der Hochschule, beim sogenannten Unisport. Sie kam als Austauschstudentin, verliebte sich und blieb drei Jahre statt, wie geplant, nur eins. Seit dieser Zeit spielen die beiden zusammen Volleyball.
Vater mit Tochter beim Fußball spielen

Kicken auf der Einfahrt: Tina hat das Fußballtalent von ihrem Vater geerbt. Der spielte in der Nationalmannschaft von Madagaskar.

Vater mit Tochter beim Fußball spielen

Kicken auf der Einfahrt: Tina hat das Fußballtalent von ihrem Vater geerbt. Der spielte in der Nationalmannschaft von Madagaskar.

Vormittags Papa, nachmittags Mama
Die Mamodalys ließen sich in Mannheim nieder. Als sie Kinder bekamen, erwiesen sich ihre Arbeitszeiten als ideal: Vormittags, wenn Martina Mamodaly unterrichtete, kümmerte sich ihr Mann um die Kinder. Nachmittags übernahm sie, und er ging zur Uni. Auch in Mannheim trainiert Dany Mamodaly Studenten, alle Kurse finden nachmittags oder abends statt. Musste seine Frau mal zu einer Schulkonferenz oder zu Elternabenden, halfen die Großeltern aus. Auch beim Unisport waren Tina und Tony oft dabei. „Da haben wir den Kinderwagen eben neben das Spielfeld gestellt“, erinnert sich Martina Mamodaly.
Mutter korrigiert Klausuren im Auto

Martina Mamodaly korrigierte im Auto Klausuren, während ihre Tochter bei Eintracht Frankfurt trainierte.

Mutter korrigiert Klausuren im Auto

Martina Mamodaly korrigierte im Auto Klausuren, während ihre Tochter bei Eintracht Frankfurt trainierte.

Nicht nur in der Küche der Chef
Familiensprache bei den Mamodalys ist Französisch. „Zu Hause Deutsch zu sprechen – das ist komisch“, sagt Dany Mamodaly. Er hält sich im Interview zurück, überlässt Frau und Tochter das Reden. Wenn er sonst etwas zu seinen Kindern sagt, dann hat das Gewicht: Ihrem Vater widersprechen, das würde sie nicht tun, erzählt Tina. „Sein Erziehungsstil ist schon etwas strenger“, bestätigt Martina Mamodaly, aber sie seien sich bei der Kindererziehung meist einig gewesen.
Dany Mamodaly ist der Familienkoch. Er bringt typische Gerichte seiner Heimat auf den Tisch, oft mit Reis und Kokosmilch. „Meine Mitschüler holen sich einen Döner oder machen sich Fertiggerichte warm, bei uns gibt es immer leckeres Essen“, erzählt Tina. Auch wenn Dany Mamodaly aus einer Großfamilie mit neun Geschwistern kommt, „wollten wir lieber weniger Kinder, um mehr Zeit für sie zu haben“, sagt seine Frau. Viel Zeit hat die gemeinsame Sportleidenschaft sicher gekostet, doch durch sie haben die vier Mamodalys einen besonderen Teamgeist entwickelt.
Vater beim Kochen

In der Küche ist Dany Mamodaly der Chef. Er kocht für die Familie, meistens Gerichte aus seiner Heimat Madagaskar.

Vater beim Kochen

In der Küche ist Dany Mamodaly der Chef. Er kocht für die Familie, meistens Gerichte aus seiner Heimat Madagaskar.

Im Frühjahr kommt das erste Enkelkind
Bald, wenn auch Tina ausgezogen ist, werden die Eltern mehr Zeit für sich haben. Wie sie die nutzen, wissen sie noch nicht. „Wir haben nie langfristig geplant“, sagt Martina Mamodaly. Im Frühjahr werden sie erst einmal Großeltern. Tony und seine Freundin erwarten ihr erstes Kind. Ob das Enkelkind in Deutschland oder den USA aufwächst, hängt davon ab, wo es ihren Sohn nach dem Studium beruflich hin verschlägt. Die Mamodalys werden auf jeden Fall weiter mehrmals pro Woche skypen – und eine Runde kicken, wenn sie sich sehen.

31.01.2017

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