Zwei Mädchen beim Rutschen
Zwei Mädchen beim Rutschen
Zwei Mädchen beim Rutschen

„Als Familie muss man sich immer mehrfach absichern“

Christina und Markus Krieg leben mit ihren beiden Töchtern in Leinfelden-Echterdingen. Arbeit, Schule und Freizeit planen sie mit einem großen Kalender. Im Notfall springen die Großeltern ein. Die Kriegs sind Teil einer fünfteiligen Serie, in der wir verschiedene Familienmodelle - von Großfamilie bis zur Regenbogenfamilie - vorstellen. Wir zeigen, wie es in Deutschland Familien schaffen, ihr Familienleben und den Beruf zu vereinen.    
Sonntagmorgen ist es am friedlichsten bei Familie Krieg. Leni (8) und Maja (6) spielen miteinander, ohne zu streiten, und auch ihre Eltern Christina und Markus bleiben bis 11 Uhr im Pyjama. Von Chili und Pepper ist sowieso nie was zu hören. Im Moment muss sich nicht mal jemand um sie kümmern – die beiden Schildkröten halten ganz artgerecht Winterschlaf im Kühlschrank. Die Familie lebt in einem dreistöckigen Haus in Leinfelden-Echterdingen, Ortsteil Musberg. Christina Krieg stammt aus der Nähe von Freiburg. Ihr Mann ist Ur-Musberger. Seine Schwester wohnt eine Straße weiter, und seine Eltern sind auch nur 50 Meter Luftlinie entfernt. Die Töchter können über die Gärten zu Oma und Opa flitzen. 
Nach der Schule gibt es schneller Streit
Unter der Woche ist bei den Kriegs viel los: Leni hat eine Pony-Reitbeteiligung, eine halbe Autostunde entfernt. Auch Christina Krieg reitet. Einmal pro Woche gehen die Mädchen Jazzballett tanzen. Und zwei Jobs müssen auch erledigt werden: Christina Krieg entwickelt Software für die Luftbildvermessung. Ihr Mann ist in der IT-Beratung tätig, muss manchmal auch für ein paar Tage auf Geschäftsreise.
Die beiden lernten sich an der Uni im Studiengang Vermessungswesen und Geoinformatik kennen. Sie waren Mitte 30, als die erste Tochter zur Welt kam. „Ich wollte erst im Beruf Fuß fassen, finanziell auf eigenen Füßen stehen“, sagt Christina Krieg. „Das ist mir immer noch wichtig.“ Vollzeit möchte sie jedoch nicht arbeiten. Vor dem Studium jobbte sie als Au-pair in den USA. „Die Mutter verließ sich total auf mich, hatte keine Ahnung, wann ihre Kinder wo sein mussten. Das wollte ich so nicht.“ Deshalb arbeitet sie 60 Prozent und ist an den Nachmittagen für die Mädchen da. 
Arbeitgeber zahlt für die Kinderbetreuung
Die Berufstätigkeit sei natürlich mit Stress verbunden, sagt Christina Krieg, aber sie empfinde diese Art Stress als willkommenen Ausgleich zum Familienleben. Arbeit sei wichtig fürs Selbstwertgefühl, ergänzt Markus Krieg. Beide fahren dafür nach Stuttgart, dürfen einen Teil ihrer Aufgaben aber auch im Home Office erledigen. Das Büro zu Hause musste zwar dem zweiten Kinderzimmer weichen, doch der große Esstisch tut es auch. Der Arbeitgeber von Markus Krieg gibt sogar Geld für die Kinderbetreuung dazu. Früher für die Kita, jetzt für den Hort, den die Mädchen morgens besuchen, weil die Schule erst um halb neun anfängt. 
Fernsehen ist unter der Woche tabu
Christina Krieg behält mithilfe eines großen Familienkalenders den Überblick. „Da muss alles eingetragen werden“, sagt Markus Krieg, „sonst bekommt man von der Freizeitmanagerin was aufs Dach!“ Wenn seine Frau einen Mädelsabend mit ihren Freundinnen einplant, veranstaltet er mit seinen Mädels zu Hause einen Kinoabend. Dann schauen sie zum Beispiel „Die Eiskönigin“. Fernsehen dürfen Leni und Maja unter der Woche nicht mehr. Ihr Vater sagt: „Das gab nur Knatsch, also haben wir das abgeschafft.“
Zur Schule gehen die Töchter meist mit Freunden. „In der Großstadt würden wir sie wahrscheinlich nicht einfach so loslaufen lassen“, sagt Christina Krieg. „Aber hier kennen wir uns alle, da können die Kinder leichter selbständig werden.“ Dazu gehört für die Eltern auch, Maja und Leni bei kleinen Aufgaben im Haushalt helfen zu lassen, etwa beim Tisch abräumen. „Die Kehrwoche geht ohne Kinder allerdings schneller“, sagt Markus Krieg lachend. 
Härtetest: Neun Wochen Norovirus
Bei aller Planung – der größte Kalender hilft nichts, wenn jemand krank wird. Vor zwei Jahren wechselten sich die Familienmitglieder reihum mit dem Norovirus ab. Neun Wochen ging das so, auch die Musberger Großeltern fielen aus. „Meine Mutter musste aus Freiburg kommen, um uns zu unterstützen“, erzählt Christina Krieg. Und als sie dieses Jahr unglücklich vom Pferd abstieg und sich schwer am Knie verletzte, war ihre Schwiegermutter im Dauereinsatz. „Ich konnte ja kein Auto fahren.“ Ohne ein Netzwerk aus Verwandten oder Freunden, die aushelfen können, sei es fast unmöglich, solche Ausnahmesituationen zu meistern. „Als Familie muss man sich immer mehrfach absichern.“
Unseren nächsten Beitrag widmen wir der multikulturellen Familie Mamodaly aus Mannheim. Wie sie ihr bilinguales Familienleben, anspruchsvolle Berufe, zwei Kinder und deren Sportlerkarrieren unter einen Hut bekommen haben, lesen Sie im Porträt ab 31. Januar 2017.

24.01.2017
Familie auf Schaukeln
Familie und Arbeit in Einklang bringen, das ist manchmal ein Balanceakt.
Kinder bei den Hausaufgaben
Hausaufgaben im Kinderzimmer: Maja (l.) besucht die erste, Leni die dritte Klasse.
Mutter mit Kindern am Tisch
Christina Krieg entwickelt Software, nach Schulschluss ist sie für die Kinder da.
Familienvater und IT-Berater
Markus Krieg arbeitet als IT-Berater – ab und zu auch im Home Office.

Autorin:
Ulrike Wronski

Kontakt in die Redaktion:
onlinemagazin@sparkassenversicherung.de

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