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    Das gläserne Smartphone

    Was "hört" das Handy mit? Wie schützen wir uns?

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Das gläserne Smartphone

Das Handy liefert viele Informationen über den Nutzer, die für Dritte interessant sein können. Wer jedoch bestimmte Ratschläge befolgt, kann verhindern, dass allzuviel sensible Daten nach außen gehen.

Wer mit dem Handy in der Tasche im Zürcher Hauptbahnhof am „KKiosk“ etwas kauft, dessen Kaufverhalten wird anhand von WLAN-Daten erfasst, die über Sensoren gemessen werden.
Paar schaut zusammen auf ein Smartphone

Das Smartphone ist ein wichtiger Begleiter im Alltag geworden. Auch auf Reisen bietet es viele hilfreiche Tools. Vom Navi bis zum Reiseführer lotst es uns und liefert endlose Infos zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Öffnungszeiten, Preisen, Empfehlungen usw.

Paar schaut zusammen auf ein Smartphone

Das Smartphone ist ein wichtiger Begleiter im Alltag geworden. Auch auf Reisen bietet es viele hilfreiche Tools. Vom Navi bis zum Reiseführer lotst es uns und liefert endlose Infos zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Öffnungszeiten, Preisen, Empfehlungen usw.

Auch wer im  „Café Spettacolo" Kaffee bestellt oder beim „Brezelkönig“ einkauft, wird registriert. Die beiden Läden gehören, wie die Kioskkette, zum Schweizer Handelskonzern Valora. Mit Hilfe der Handydaten werden Marketingaktionen durchgeführt.
Schutz vor Tracking: WLAN- und Bluetooth Funktionen deaktivieren
Das, was Valora da macht, nennt man Handytracking. Zulässig ist es in Deutschland und in der Schweiz nur, solange die Daten anonymisiert sind. Wer das nicht will, muss die WLAN- und Bluetooth-Funktionen an seinem Smartphone deaktivieren.
Frau schaut auf ihr Smartphone

Die meisten Menschen wollen das Smartphone benutzen, um Informationen abzurufen oder zu kommunizieren. Benutzen lassen oder gar ausspionieren lassen, will sich niemand. Deshalb sollte sich jede/r mit Datentracking auskennen.

Frau schaut auf ihr Smartphone

Die meisten Menschen wollen das Smartphone benutzen, um Informationen abzurufen oder zu kommunizieren. Benutzen lassen oder gar ausspionieren lassen, will sich niemand. Deshalb sollte sich jede/r mit Datentracking auskennen.

Das Handy ist ständiger Begleiter der meisten Menschen. Es verrät deshalb viel über seine Nutzer. Apps, mobiles Surfen und Telefonate enthüllen, ob er depressiv ist, welche Krankheiten oder sexuellen Vorlieben er hat und welchen Konsumgewohnheiten er folgt. Zugriffe auf Kontakte und Fotos, die von Google oder Apple leicht abgegriffen werden können, sind für werbetreibende Unternehmen, Arbeitgeber, aber eventuell auch für Geheimdienste und Ermittler interessant.
Smartphone mit vielen Apps zu sehen

Wundertüte Smartphone: Es ist ständiger mobiler Begleiter und fungiert als Informant, Kommunikator, Fotoapparat, Musiklieferant, Kalender, Adressbuch, Computer, Dialogplattform usw. Die Daten des Smartphones sagen dadurch viel über den Nutzer aus - und sind deshalb für "Datenspione" interessant.

Smartphone mit vielen Apps zu sehen

Wundertüte Smartphone: Es ist ständiger mobiler Begleiter und fungiert als Informant, Kommunikator, Fotoapparat, Musiklieferant, Kalender, Adressbuch, Computer, Dialogplattform usw. Die Daten des Smartphones sagen dadurch viel über den Nutzer aus - und sind deshalb für "Datenspione" interessant.

Was man tun kann
„Die meisten Menschen wissen das alles nicht“, sagt Miriam Ruhenstroth vom Fachportal mobilsicher.de. „Es gibt sehr viele Apps, die sensible Daten für die Erstellung von Nutzerprofilen sammeln – um etwa maßgeschneiderte Werbung anzuzeigen“, fügt sie hinzu. Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, empfiehlt, auf bestimmte Apps zu verzichten. Oft gebe es andere Apps, die so ein Tracking nicht machten. Auch hinter kostenlosen Apps stecke ein Geschäftsmodell: „Kostenlos ist nicht kostenlos. Mindestens bezahlt man mit seinen persönlichen Daten, die von Unternehmen rege genutzt, weiterverkauft und somit für die Firma vergoldet werden“, meint er. Ruhenstroth rät, Apps, die nicht mehr genutzt werden, zu deinstallieren und „einmal im Monat alles, was man nicht mehr braucht, runterzuschmeißen. Dann werden die Infos wenigstens nicht über Jahre gesammelt, sondern nur über den Nutzungszeitraum.“
Sie empfiehlt Nutzern, sich mal den Aktivitätsverlauf der Google-Einstellungen anzuschauen. „Da sind viele überrascht, was alles aufgezeichnet wird. Auch den Standort protokolliert Google detailliert mit, wenn man die Funktion "Standortverlauf" nicht ausschaltet.“
Informationen werden nicht nur gesammelt, wenn der Nutzer online ist. Auch offline können Verhaltensmuster von Smartphone-Nutzern analysiert und ausgewertet werden. Sogar im Flugmodus werden Daten erfasst, gesammelt und später im Protokoll an Google geschickt.
Die Zugriffe auf das Smartphone erfolgen auf verschiedenen Wegen. Über den WLAN-Anschluss des Smartphones, denn bei aktiviertem WLAN sucht das Handy ständig nach Netzwerken in der Umgebung und erlaubt die Identifizierung des Nutzers.
Wer länger vor Schuhen stehenbleibt, bekommt unter Umständen über den Browser oder per Post Schuhwerbung. Auch die aktivierte Bluetooth-Funktion ist ein Einfallstor auf das Handy. Und per Ultraschall können über das Mikrofon für den Menschen nicht hörbare Töne erfasst werden. Damit zeichnen viele Apps auf, welche Werbung oder welche Sendung jemand gerade im Laden oder vor dem heimischen Fernseher hört und sieht.
„Wer etwa viele Fotos mit Blumen in seinem Fotoverzeichnis hat, erhält vermutlich eher Werbung für Blumen“, meint Buttler. Zu Vorsicht rät er bei Kontaktanfragen „falscher Freunde“. Dahinter versteckten sich manchmal sogar Einbrecher.
Eine personenbezogene Auswertung ohne ausdrückliche Einwilligung des Betroffenen ist nicht erlaubt. Doch nach Ansicht Buttlers sind die Klauseln, in denen der Nutzung der Daten explizit zugestimmt werden muss, oft nicht deutlich genug gekennzeichnet.
Verbraucherrechte gestärkt
Die ab Ende Mai gültige neue Datenschutzgrundverordnung und die EPrivacy-Verordnung, die noch nicht fertig ist, stärken nach Ansicht Ruhenstroths die Rechte der Verbraucher, etwa weil es hohe Sanktionen für Verstöße gibt und eine Sammelklage eingeführt wird. Buttler verweist auf einen Briefkasten mit dem Aufkleber „Werbung? Nein danke!“: „Was offline gilt, muss auch online gelten“, findet er.
Dass Smartphone-Systeme in Verbindung mit tragbarer Sensorik Leben retten kann, beschrieb kürzlich der Journalist Volker Weber. Er hatte keine Herzprobleme, aber seine Ruheherzfrequenz stieg rapide an und die Herzfrequenzvariabilität verzehnfachte sich plötzlich. Beide Daten werden mit der Apple Watch gemessen, und waren auf dem iPhone in der App „Health“ sichtbar. Weber konnte durch eine Notoperation gerettet werden.
Was man beachten sollte:
  • Deaktivieren der Standorteinstellung
  • Im Telefon unter „Erweiterte Einstellungen“ die Zugriffe auf Daten, Fotos etc. abstellen
  • Im Telefon unter „Apps“ die Zugriffsrechte entsprechend deaktivieren bzw. beschränken
  • Gegebenenfalls direkt in der App bestimmte Zugriffe deaktivieren
Oliver Buttler, Abteilungsleiter Telekommunikation, Internet und Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg
22.03.2018
Gerhard Bläske
Über den Autor
Gerhard Bläske ist freier Journalist und lebt bei München. Er befasst sich vor allem mit wirtschaftlichen Themen. Je verbrauchernäher sie sind, desto anschaulicher werden sie. Denn Wirtschaft ist nicht nur graue Theorie.

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