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Sichtungen und Einblicke

 

Zur künstlerischen Rezeption von Reformation und Bauernkrieg im geteilten Deutschland

Ausstellung vom 15. Januar 2012 bis 18. März 2012

Deutsches Bauernkriegsmuseum Böblingen 

Eröffnung: Sonntag, den 15. Januar 2012, 11:00 Uhr

Böblingen, 13. Januar 2012: Mit einer spektakulären Ausstellung zur künstlerischen Rezeption von Reformation und Bauernkrieg im geteilten Deutschland wartet das Deutsche Bauernkriegsmuseum Böblingen gleich zu Beginn des Jahres auf.

Präsentiert werden die Ergebnisse eines Gemeinschaftsprojekts des Deutschen Bauernkriegsmuseums Böblingen, der Mühlhäuser Museen (Thüringen) und von ART-regio, der Kunstförderung der SV SparkassenVersicherung, an dem die Partner mehr als zwei Jahre gearbeitet haben. 

Mit fast 100 Ölgemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken von bedeutenden Künstlern wie HAP Grieshaber, Alfred Hrdlicka, Werner Tübke, Heinz Zander und Horst Sakulowski bietet diese Zusammenstellung erstmals einen vergleichenden Einblick in die künstlerische Auseinandersetzung mit der Reformationsepoche während der deutschen Teilung und darüber hinaus. Die Ausstellung versteht sich als wichtiger Beitrag zur Diskussion über künstlerisches Schaffen in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten und über die identitätsstiftende Rolle der Kunst.

Bauernkrieg und Reformation – in der deutschen Kunst wurde durch die Jahrhunderte hinweg kaum ein Themenfeld so oft genutzt wie auch missbraucht. In der DDR und in der Bundesrepublik Deutschland wurden die religiösen und politischen Erneuerungsbewegungen des frühen 16. Jahrhunderts mit ihren Protagonisten ebenso wie die historischen Ereignisse des Bauernkrieges 1524/25 vielfach künstlerisch reflektiert. Während in der DDR die Aufstandsbewegungen der frühen Neuzeit zum Vorbild erklärt und zur historischen Legitimation genutzt wurden, rückte in der Bundesrepublik seit den 1970er Jahren mit Blick auf das frühe 16. Jahrhundert die Tradition des Widerstands als Element der demokratischen Partizipation in den Fokus.

Die Ausstellung „Sichtungen und Einblicke“ stellt in diesem Umfang erstmals Werke ost- und westdeutscher Künstler vor, die jene historischen Themen der Reformationsepoche und die Schicksale ihrer Protagonisten bearbeiten. Als Ausgangspunkt dienen die frühen 1970er Jahre, in denen im Gefolge der 68er Bewegung in der Bundesrepublik ein deutlicher Aufschwung zunächst der historisch-wissenschaftlichen, dann aber auch der künstlerischen Rezeption von Reformation und Bauernkrieg stattfand.

Parallel dazu begann Anfang der 1970er Jahre mit der Ernennung Erich Honeckers zum Staats- und Parteichef und seinem kulturpolitischen Programm der „Weite und Vielfalt“ in der DDR eine rege künstlerische Tätigkeit zu diesen Themen. Dies war eingebettet in eine politische Debatte über die Erweiterung des Erbe- und Traditionsverständnisses, die schließlich auch Martin Luther einen Platz zuwies.

Durch die Gegenüberstellung von Kunstwerken, die jene Themenkreise aufgreifen, provoziert die Ausstellung bewusst eine Konfrontation, die über künstlerische Konzepte, aber auch ideologische Klischees zweier gegenläufiger Kunstsysteme aufklären will und deren Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart verfolgt.

Umsetzbar war die von der Kunstförderung der SV SparkassenVersicherung ART-regio entwickelte Projektidee nur durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Museen in Böblingen und Mühlhausen. Zur Ausstellung ist eine umfangreiche Begleitpublikation erschienen.Beide Häuser haben mit der Ausstellung einen wichtigen musealen, mit dem Begleitband aber auch einen notwendigen wissenschaftlichen Beitrag zur Rezeptionsgeschichte geleistet.

 

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